Partnermeldungen

Führung und Verantwortung

Die Klage über schlechte oder nicht vorhandene Führung ist schon lange ein bekanntes Phänomen. Aber was macht gute  und verantwortungsvolle Führung aus?  Diese und weitere Fragen erläutert Dieter Wagner auf der Basis seiner Erfahrungen als Top-Manager, zuletzt bei der ABBOTT GmbH in Ludwigshafen.

In meinen letzten 30 Berufsjahren kann ich auf mindestens fünf verschiedene „Führungsstile mit Erfolgsgarantie“ zurückblicken. Eine Aussage aber hat sich nicht verändert: „Noch nie gab es so viele Menschen, die über mangelnde Führungsqualität ihrer Vorgesetzten klagten.“ Angesichts der immer noch zunehmenden Zahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen, angesichts Abertausender von Seminarstunden und einem Heer von Beratern zu diesem Thema muss man fragen: Ist Führung denn ein unlösbares Problem? Vielleicht liegt es ja auch daran, dass wir uns zu wenig mit den grundlegenden, vergleichsweise einfachen Fragen beschäftigen. Wenn ich am Ende von Interviews mit Führungskräften die Frage stelle: „Wo stehen Sie persönlich und wo wollen Sie hin?“, bekomme ich selten eine spontane Antwort. „Darüber habe ich so noch nicht nachgedacht“, heißt es meist zögerlich, „ja, mehr Verantwortung möchte ich schon haben, Führungsverantwortung eben.“

Dreifache Führungsverantwortung

Aber welche Verantwortung hat denn nun eine Führungskraft? Vereinfacht sind es drei Hauptkomponenten: erstens die Verantwortung gegenüber den externen Kunden. Umsatz und Kundenbindung spielen hier eine Rolle, und die Tatsache, dass nur ein zufriedener Kunde langfristig den Arbeitsplatz garantiert. Hinzu kommt zweitens die Verantwortung gegenüber den internen Kunden, den Mitarbeitern. Kosten und Motivation sind hier zu bedenken, Kreativität, Flexibilität, Loyalität und vieles mehr. Bei beiden genannten „Verantwortungen“ ist eine einfache Regel von elementarer Bedeutung: „Dem Kunden genau zuhören, ernst nehmen, was er sagt, und daraus die eigene Handlungsmaxime ableiten.“ Drittens schließlich – und das ist ganz grundlegend – Verantwortung gegenüber sich selbst.

Einfache Fragen, schwere Antworten

Lassen Sie mich zu dieser selten angesprochenen Komponente der Verantwortung ein paar einfache Fragen stellen: Wie wollen Sie Menschen führen, Strategien umsetzen und Ziele erreichen, wenn Sie nicht genau wissen, wo Sie selbst stehen? Wie wollen Sie Menschen, für die Sie Verantwortung tragen, in stürmischer Umgebung Halt geben, wenn Sie keinen festen Standpunkt haben? Wie wollen Sie anderen vertrauen, wenn Sie kein Selbstvertrauen haben? Wie wollen Sie andere bewerten, wenn Sie Ihre Werte nicht kennen?

Wir beschäftigen uns so viel mit Führungsstilen und selten mit uns selbst. Wir engagieren für viel Geld Coaches, die uns erklären, wie sich eine Führungskraft in bestimmten Situationen zu verhalten hat. Warum nehmen wir uns nicht einfach die Zeit, uns selbst zu erkennen? Wofür stehe ich wirklich ein, was ist mir wichtig? Welchen meiner Werte bin ich bereit, auch in schwierigen Situationen beizubehalten? Lebe ich diese Werte wirklich konsequent im Alltag oder nur bei „schönem Wetter“? Scheinbar einfache, selbstverständliche Fragen, aber wer stellt sie sich ernsthaft und ist bereit, die Antworten darauf von Zeit zu Zeit auch wieder in Frage zu stellen?

Wissen wächst, wenn man es teilt

Es gibt kein Patentrezept für einen „erfolgreichen Führungsstil“, nur den individuellen Weg, den ohnehin niemand kopieren kann. Kein Grund also, die „Geheimnisse“ des eigenen Führungserfolgs zu verschweigen. Machen wir als Führungskräfte aus diesem Wissen kein „Machtwissen“.

Notfalls auch Konsequenzen ziehen

Konkret heißt dies: Verantwortung in einer Führungsposition zu übernehmen bedeutet, zu seinen Werten zu stehen, das zu tun, was man für richtig hält, nicht unbedingt das, von dem man glaubt, dass es von einem erwartet wird. Dazu gehört aber auch die Bereitschaft, notfalls persönliche Konsequenzen zu ziehen. Nur eine Führungskraft, die sich ihrer selbst bewusst ist, die Selbstvertrauen verkörpert, den eigenen Standpunkt klar begründen und im Arbeitsalltag konsequent vorleben kann, ist in der Lage, andere zu respektieren und mit ihnen vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Respekt und Vertrauen, zentrales Bindeglied zwischen Führung und Verantwortung, sind elementare Voraussetzungen für den Erfolg.

Kontrolle und Vertrauen richtig balancieren

Anderen Respekt entgegen zu bringen sollte doch so einfach sein, will jeder von uns doch selbst respektiert werden. Wie viel Geld geben wir für Kontrolle (oft als „Controlling“ getarnt) aus, wie viel Energie investieren wir in entsprechende Mechanismen – ohne damit letzte Sicherheit zu haben. Wie aktuelle Geschehnisse der Weltwirtschaft zeigen, ist doch die entscheidende Frage: „Wer kontrolliert eigentlich den obersten Kontrolleur?“

Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich rede nicht dem „blinden Vertrauen“ das Wort, der Gutgläubigkeit und Naivität, sehr wohl aber dem „belastbaren Vertrauen“. Mit der Umkehrung eines alten Sprichworts habe ich – in unterschiedlichsten Funktionen, Branchen und Kulturen – seit einigen Jahrzehnten beste Erfahrungen gemacht. Vielleicht versuchen Sie es doch einfach mal damit: „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!“

Dieter Wagner, wagner@iwu-berlin.de

Ein weiterer Artikel von Dieter Wagner zum Thema „Werte und Führung“ steht für Sie auf www.iwu-berlin.de unter Publikationen zum kostenlosen Download bereit.