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Betriebsspionage: Wurden Details zum Elektroauto von Renault verraten?

Paris > Eine Affäre um mutmaßliche Betriebsspionage erschüttert den französischen Autobauer Renault. Das Unternehmen suspendierte drei Führungskräfte, die Informationen zum Elektroauto verraten haben sollen. Renault hat die Entwicklung von Elektroautos ins Zentrum seiner Strategie für die kommenden Jahre gestellt.

Nähere Angaben machte das Unternehmen zunächst nicht. Es handele sich um „ernste Vorgänge“, sagte eine Konzern-Sprecherin am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Bisher habe der Konzern keine Anzeige erstattet, fügte sie hinzu.

Den Angaben zufolge gab es bereits im vergangenen August einen ersten internen Hinweis. Die anschließenden Nachforschungen hätten das Unternehmen veranlasst, drei Führungskräfte zu suspendieren. Konzernkreisen zufolge waren sie an dem Elektroauto-Programm beteiligt – einem der Vorzeigeprojekte des Unternehmens. Einer der verdächtigten Manager gehört demnach zu den 30 Mitgliedern des Direktoriums, die unmittelbar Konzernchef Carlos Ghosn unterstellt sind.

Die Manager wurden den Konzernkreisen zufolge am Montag suspendiert und mussten unverzüglich ihre Büros räumen. Eine solche Maßnahme kann ein Unternehmen beschließen, wenn das Verhalten eines Mitarbeiters den Betrieb zu beeinträchtigen droht. Der Arbeitsvertrag wird dann ausgesetzt und die Gehaltszahlungen werden gestoppt. Anschließend können eventuelle disziplinarische Maßnahmen oder eine Strafanzeige beschlossen werden.

Für den mit dem japanischen Nissan-Konzern verbündeten französischen Autobauer steht viel auf dem Spiel: Die Entwicklung von Elektroautos steht für Renault im Zentrum seiner Strategie der kommenden Jahre. Mitte dieses Jahres will das Unternehmen zwei Modelle mit Elektromotoren auf den Markt bringen, das Familienauto Fluence und das kleine Nutzfahrzeug Kangoo Express. Bis spätestens Mitte 2012 sollen zwei weitere Elektro-Modelle folgen, der Kleinwagen Twizy und die zur unteren Mittelklasse gehörende Limousine Zoe.

Renault setzt auf eine wachsende Nachfrage nach Elektroautos, die nach seiner Einschätzung bis zum Jahre 2020 zehn Prozent der Marktanteile ausmachen könnten. Renault-Nissan investiert jährlich rund 200 Millionen Euro in die Entwicklung von Elektroautos. Nissan hat sein erstes elektrisches Auto für den Massenmarkt, den Leaf, in den USA und Japan bereits auf den Markt gebracht.