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China will Umweltauflagen für Herstellung seltener Erden verschärfen – und erntet Kritik

Peking/Berlin > China will Umweltauflagen für die Gewinnung sogenannter seltener Erden verschärfen, die zentral für Zukunftstechnologien wie Internethandys oder Hybrid-Autos sind. Das Umweltministerium habe eine Senkung der Quoten für Schadstoffe verfügt, sagte ein ranghoher chinesischer Beamter am Freitag. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach bei einem Treffen mit einem chinesischen Regierungsvertreter über das Thema.

Der Vizechef des staatlichen Forschungszentrums für seltene Erden, Huang Xiaowei, sagte der Staatszeitung „China Daily“, die neuen Umweltauflagen sollten bereits ab Februar vor allem für Ammoniak-Stickstoff, radioaktives Material und Phosphor gelten. Die Regierung werde den Unternehmen jedoch zwei bis drei Jahre Zeit geben, um ihre Technik weiterzuentwickeln, fügte Huang hinzu. Erst danach drohten ihnen Sanktionen.

China, das mehr als 95 Prozent aller seltenen Erden für den Weltmarkt liefert, hatte im Dezember die Exportquoten für die Stoffe um 35 Prozent gesenkt. Die Regelung sollte zunächst für das erste Halbjahr 2011 gelten, könnte aber darüber hinaus verlängert werden. Mehrere Staaten, darunter die USA und Japan, warnten das Land daraufhin, seine Marktmacht zu missbrauchen. Die neuen Umweltauflagen könnten nun zu steigenden Herstellungskosten und höheren Preisen für seltene Erden führen. Die Metalle werden beispielsweise zur Herstellung von Flachbildfernsehern, Hybrid-Autos, Internethandy oder Windrädern benötigt.

Brüderle forderte bei einem Treffen mit Chinas Vize-Ministerpräsident Li Keqiang, die Volksrepublik solle einen „offenen und gerechten“ Zugang zu den Rohstoffen gewähren, wie eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin sagte. Der Minister habe seinen chinesischen Gesprächspartner gebeten, über die von seinem Land verhängten Beschränkungen für die Rohstoffe nochmals nachzudenken. Li traf am Freitag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und sprach mit ihr unter anderem über Wirtschaftsfragen.

Der Branchenverband Bitkom warnte angesichts der Exportbeschränkungen vor einer Verteuerung von Hightech-Geräten. „Die Hersteller müssen sich mit steigenden Rohstoffpreisen und längeren Lieferzeiten auseinandersetzen“, erklärte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Es gebe kaum ein Hightech-Gerät, das ohne seltene Erden hergestellt werden könne. „Die künstliche Verknappung kann zu Preissteigerungen und Lieferengpässen bei stark nachgefragten Geräten führen“, fügte er hinzu.