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Kommunisten in Vietnam beschwören Zukunft als Industrienation

Hanoi > Das kommunistische Vietnam will bis 2020 zu einer Industrienation aufsteigen. Das Land müsse sein „Wachstumsmodell erneuern und die Wirtschaft umstrukturieren, um die Industrialisierung und Modernisierung mit schnellem und nachhaltigem Wachstum voranzutreiben“, sagte der Generalsekretär der regierenden Kommunisten, Nong Duc Manh, am Mittwoch zum Auftakt des einwöchigen Partei-Kongresses. Auf ihrem Kongress in einem abgeschotteten Veranstaltungszentrum in Hanoi sollen die rund 1400 Delegierten den Fünf-Jahres-Plan zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes verabschieden. Zudem wurde eine Neuordnung der Staatsspitze erwartet.

Vietnam hat sein Wachstum bisher mit der Nutzung seiner Bodenschätze und mit ungelernten Arbeitskräften erzielt. Anders als die meisten anderen asiatischen Länder gibt Vietnam mehr für Importe aus, als es über Exporte verdient. Das Handelsdefizit lag im vergangenen Jahr deshalb bei umgerechnet neun Milliarden Euro. Zudem kämpft das Land mit steigender Inflation und Problemen bei den staatseigenen Unternehmen. Bei seinem Weg hin zu einer Industrienation müsse Vietnam künftig stärker auf Wissenschaft, Technologie und „hochwertige menschliche Ressourcen“ zurückgreifen, sagte Generalsekretär Manh.

In Vietnam sind niedrige Löhne attraktiv für westliche Unternehmen. Deutschland ist Vietnams größter europäischer Handelspartner. Schuhe, Bekleidung und Kaffee sind wichtige Handelsgüter. Dortige Fertigungsstätten nutzen unter anderen die deutschen Unternehmen Siemens, Adidas, Heidelberger Druck und die Metro Group, etwa 250 Unternehmen sind es insgesamt. Experten sehen im Engagement der deutschen Unternehmen die Chance, dass deren den Grundsätzen der Corporate Social Responsibility verpflichteten Lieferantenkodizes auch vietnamesische Zulieferfirmen zu einer verantwortlichen Unternehmensführung anleiten. Für die nachhaltige Entwicklung vietnamesischer Branchen ist es zudem wichtig, dass nicht nur einfach Fertigungsarbeiten, sóndern auch hochwertigere Entwicklungsaufgaben im Land angesiedelt werden.

Parteichef Nong Duc Manh rief auch zu einer Reform des Bildungssystems auf, das nach Ansicht von Experten unter anderem wegen Korruption weit hinter internationalen Standards zurückliegt. Er sprach sich darüber hinaus für eine Modernisierung der Infrastruktur des Landes aus. Es wurde erwartet, dass sich Generalsekretär Manh wie auch Präsident Nguyen Minh Triet nach dem Parteikongress zur Ruhe setzen. Für Regierungschef Nguyen Tan Dung hingegen soll der Weg für eine weitere Amtszeit geebnet werden.

Einen politischen Wandel des kommunistischen Landes schloss Präsident Triet bei seiner Ansprache vor den Delegierten aus. „Die großen Gedanken von (Gründungspräsident) Ho Chi Minh werden zusammen mit dem Marxismus und dem Leninismus immer die ideologische Grundlage und der Leitstern für die Tätigkeiten der vietnamesischen Partei und der Revolution sein“, sagte Triet. Bereits vor dem Parteitag hatte die kommunistische Führung das Einparteiensystem des Landes bekräftigt.