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Grüne Woche: Leisten Landwirte genug für Natur und Umwelt?

Berlin > Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Auswirkungen von Spekulation auf den Preis von Lebensmitteln kritisiert. „Missbrauch und Manipulation“ könnten die Preise auf dem Weltmarkt in die Höhe treiben, sagte sie in ihrer Rede zur Eröffnung der Grünen Woche in Berlin am Donnerstagabend. Das berühre bereits ein entwickeltes Land wie Deutschland. „Aber Entwicklungsländer, die auf Lebensmittel-Importe angewiesen sind, die trifft es hart“, kritisierte die Ministerin. Notwendig sei daher ein „Handel, der nach Regeln abläuft und Leitplanken hat“.

Zum Dioxinskandal in Deutschland sagte Aigner, hier hätten die Täter offenbar „aus niederen Beweggründen und mit hoher krimineller Energie gehandelt“. Die Bauern wie die Verbraucher könnten aber darauf vertrauen, dass dieser Fall „Konsequenzen“ habe. Aigner verwies dabei auf den Aktionsplan, den sie gemeinsam mit den Länderministern für Landwirtschaft und Verbraucherschutz erarbeitet hat. Dieser soll mehr Sicherheit bei Futtermitteln für Tiere bringen. Die Ministerin forderte zudem, die Menschen müssten lernen, „den Wert von Lebensmitteln besser zu schätzen“.

Die Grüne Woche steht in diesem Jahr unter dem Eindruck des Dioxinskandals. Dieser führte auch zu grundsätzlichen Diskussionen über das Agrarsystem und die Produktion von Lebensmitteln in Deutschland. Der Veranstalter der Landwirtschafts- und Ernährungsmesse rechnet mit rund 400.000 Besuchern. Auf der Schau, die bis 30. Januar geöffnet bleibt, sollen zudem auch die weltweit steigenden Lebensmittelpreise im Mittelpunkt stehen.

Die NGOs Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bioland und NABU nutzen die Grüne Woche, um eine Reform der europäischen Agrarpolitik einzufordern. Nach Überzeugung der Verbände ist die industrielle Landwirtschaft Hauptverursacher des Artenschwundes. Die EU-Agrarsubventionen in Höhe von derzeit 56 Milliarden Euro sollten an wirksame ökologische und soziale Kriterien gebunden werden. „Landwirte dürfen in Zukunft nur noch Fördergelder bekommen, wenn sie auch konkrete Leistungen für Natur und Umwelt erbringen. Mit einer leistungsgerechten Bezahlung für eine bessere Wasserqualität, mehr Klimaschutz und den Erhalt der Artenvielfalt würde die Landwirtschaft zugleich den Ruf des reinen Subventionsempfängers verlieren“, teilte NABU-Präsident Olaf Tschimpke mit.

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