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Davos besorgt über wachsende Ungleichheit in der Welt

Davos > Angesichts der Unruhen und Proteste in Nordafrika haben sich zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in Davos Experten besorgt über die wachsende Ungleichheit auf dem Globus geäußert. Dies sei die größte Herausforderung, sagte Chinas hochrangigster Vertreter beim Internationalen Währungsfonds (IWF), Zhu Min, am Mittwoch. Teilnehmer betonten in Gesprächen auch die gewachsene Bedeutung der Schwellenländer für das globale Wachstum.

Am ersten Tag des 41. Weltwirtschaftsforums drehten sich in Davos die Gespräche vor allem um die wirtschaftliche Erholung nach der Krise und um die Gefahren sozialer und politischer Unruhen. Im Hinblick auf die Proteste in Tunesien, Algerien und Ägypten warnte Zhu Min vor wachsender Ungleichheit. „Das ist die größte Herausforderung für die gesamte Welt“, sagte der frühere Vize-Chef von Chinas Zentralbank. „Ich glaube nicht, dass die Welt ihr ausreichende Aufmerksamkeit gewidmet hat.“

Der Chef des Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé, Paul Bulcke, warnte vor gefährlichen Preisschwankungen bei Lebensmitteln. „Der grundsätzliche Trend zeigt nach oben, was nicht schlecht ist“, sagte Bulcke. Dies komme der Landwirtschaft zugute. „Doch wir müssen an den Schwankungen arbeiten, dies ist nicht gut.“ Steigende Lebensmittelpreise schürten jüngst die Angst vor sozialen Unruhen wie in Algerien, wo es in den vergangenen Wochen zu teils gewaltsamen Protesten gegen die steigenden Lebenshaltungskosten gekommen war. Mehrere Wirtschaftsführer betonten unterdessen, dass für die globale Erholung den Schwellenländern eine immer größere Bedeutung zukomme. Der Vorsitzende des indischen Softwareriesen Wipro, Azim Premji, sagte, während sich das Wachstum im Westen verlangsame, wachse in den Schwellenländern die Wirtschaft. „Dies ist eine vollständige Verschiebung des Machtgleichgewichts“, sagte der Milliardär.

Bei dem fünftägigen Treffen debattieren etwa 2500 Politiker, Konzernchefs sowie Experten über die globalen Herausforderungen. Am Freitag reist auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Davos. Insgesamt haben rund 35 Staats- und Regierungschefs ihr Kommen zugesagt, darunter auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron.

Der russische Staatschef Dmitri Medwedew sollte wie geplant am Mittwoch die Eröffnungsrede halten, kürzt aber wegen des Anschlags auf den Moskauer Flughafen seinen Aufenthalt ab. In einem Interview mit der russischen Wirtschaftszeitung „Vedomosti“ sagte Medwedew, dass das Forum eine wichtige Chance sei, der Welt die russische Position zu präsentieren. Es wird erwartet, dass Medwedew die versammelten Wirtschaftsführer zu Investitionen in Russland ermutigen will. Moskau plant etwa den Bau mehrerer Skiressorts im unruhigen Nordkaukasus.

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