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BP macht nach Ölkatastrophe Milliardenverlust

London > Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat der britische Ölkonzern BP erstmals seit knapp 20 Jahren rote Zahlen geschrieben. Das Unternehmen machte im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,914 Milliarden Dollar (3,579 Milliarden Euro), wie BP am Dienstag mitteilte. Die Kosten durch das Ölunglück schätzt BP mittlerweile auf 40,9 Milliarden Dollar.

Einen Verlust hatte BP zuletzt 1992 eingefahren, im vergangenen Jahr hingegen verdiente der Ölkonzern noch 13,955 Milliarden Dollar. Trotz der Milliardenkosten durch die Explosion der Ölbohr-Plattform „Deepwater Horizon“ im April 2010 und ihre Folgen kündigte der Konzern an, seine vierteljährlichen Dividendenzahlungen an seine Aktionäre wieder aufnehmen zu wollen. BP hatte diese Ausschüttungen nach der Ölkatastrophe zunächst gestoppt.

Bei der Explosion der Bohrinsel waren elf Arbeiter ums Leben gekommen. In den folgenden Wochen flossen bei der größten Umweltkatastrophe in der US-Geschichte laut Schätzungen rund 4,9 Millionen Barrel Erdöl ins Meer, bis das Loch verschlossen werden konnte. Wegen der Katastrophe musste der damalige BP-Chef Tony Hayward seinen Posten räumen, ihm folgte Bob Dudley.

„2010 wird zu Recht wegen des tragischen Unfalls und des ausgelaufenen Öls im Golf von Mexiko in Erinnerung bleiben“, sagte Dudley am Dienstag. Es sei klar, dass BP in Folge der Katastrophe „ein Unternehmen im Umbruch ist“. BP solle aus dieser „Episode“ als Konzern hervorgehen, der „sicherer, stärker und nachhaltiger ist, der mehr Vertrauen genießt und mehr Wert hat“. 2011 werde für den Konzern ein „Jahr der Erholung und der Festigung“.

BP kündigte an, zwei große Raffinerien in den USA verkaufen zu wollen. Der Konzern hatte nach der Ölkatastrophe erklärt, sich bis Ende 2011 von Vermögen im Wert von rund 30 Milliarden Dollar trennen zu wollen, um die Kosten des Desasters schultern zu können. Laut BP wurden bis Ende 2010 bereits Verkäufe über insgesamt 22 Milliarden Dollar vereinbart.

Die britische Tageszeitung „Telegraph“ berichtete am Dienstag unterdessen, die russische BP-Tochter TNK-BP habe versucht, Geschäfte in mit Sanktionen belegten Staaten zu machen. Dies gehe auf Depeschen von US-Botschaften hervor, die die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht habe. Unter anderem habe TNK-BP in Birma, Kuba und dem Sudan Öl fördern wollen. Dudley, der damals Chef von TNK-BP war, wird in einem Dokument aus dem Jahr 2008 mit den Worten zitiert, einer der russischen Direktoren habe sich für eine Ölförderung in diesen Staaten stark gemacht.

TNK-BP war 2003 gegründet worden, als eine Gruppe russischer Oligarchen mit ihrem Konsortium Alfa-Access-Renova (AAR) eine Verbindung mit BP einging. In einer der US-Diplomatendepeschen heißt es, die Führung von TNK-BP habe die Pläne für die Aktivitäten in den von Sanktionen betroffenen Staaten abgelehnt. Daraufhin habe der russische Direktor die Projekte einer von AAR kontrollierten Firma übertragen.

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