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Unternehmensverantwortung in Ägypten: Clans, ein neues Bewusstsein und zarte Ansätze

Kairo > Die Verantwortung der Unternehmen in der ägyptischen Gesellschaft rückte während der Zeit der schweren Unruhen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Unternehmen werden zum einen als mit den herrschenden Familienclans verbunden wahrgenommen, zum anderen werden aber auch die Chancen einer verantwortungsvollen Unternehmensführung gesehen. Das berichtete die in Kairo lebende Volkswirtschafterin Ulrike von Rücker gegenüber CSR NEWS. Internationale Kampagnen wie der Global Compact der Vereinten Nationen oder Aktivitäten der deutschen, der amerikanischen oder anderer internationaler Handelskammern werden danach in den Unternehmen aufgegriffen. Jedoch gebe es überwiegend kein Verständnis dafür, dass Corporate Social Responsibility eine verantwortliche Unternehmensführung im Kerngeschäft und nicht nur philanthropisches Engagement beinhalte.

In Ägypten nutzen internationale Unternehmen günstige Produktionsbedingungen, etwa die geringen Lohnkosten. Der monatliche Mindestlohn liegt derzeit bei etwa 400 Ägyptischen Pfund (rund 49 Euro). Es gebe zwar Umweltschutzgesetze, diese würden jedoch eher selten eingehalten. Unternehmen argumentierten damit, sonst nicht wettbewerbsfähig zu sein, sagte von Rücker. Es gebe seit etwa einem Jahr auch ein funktionierendes Verbraucherschutzgesetz und Skandale, die sich zum Beispiel an verdorbenen Milchprodukten entwickelten, schärften den Blick für die Produktverantwortung von Unternehmen. An dem Handeln internationaler Unternehmen sei zugleich erkennbar, dass diese internationalen Standards verantwortlicher Unternehmensführung genügen müssten. Die Korruptionsbekämpfung gelte in Ägypten aufgrund des weitreichenden Einflusses weniger Familienclans als kaum zu lösendes Problem. In diesem Zusammenhang werde der politische Umschwung auch manche Unternehmensstrukturen erschüttern, so von Rücker.

Für die in Kairo lebende Unternehmensethikerin Dr. Alexandra von Winning erscheint die Rolle globaler Unternehmen zwiespältig, ihre Rolle sei bisher wenig ruhmreich gewesen: Einerseits hätten die Menschen betroffen wahrgenommen, dass Mobilfunkanbieter in der politischen Krise auf Anweisung der Regierung die Verbindungen kappten. Andererseits würde die Rolle der Global Player als Arbeitgeber geschätzt. Es fehle dabei an gewerkschaftlichen Organisationen und Kündigungsschutzbestimmungen. Für globale Unternehmen sei es eine große Herausforderung, im Land zu bleiben und sich dabei nicht unethischen Verhaltensweisen anzupassen.

In Ägypten produzieren auch zahlreiche deutsche Unternehmen, darunter Daimler, BASF und Siemens. Nach Abflauen der schweren Unruhen nehmen die ausländischen Unternehmen langsam ihre Produktion wieder auf. Der japanische Autohersteller Suzuki teilte am Montag mit, nach einer Woche Pause werde wieder gearbeitet. Bei Nissan stehen laut Unternehmensangaben seit einer Woche die Bänder still. Marktführer Toyota plant in Ägypten ein neues Werk mit Produktionsbeginn im Jahr 2012.

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