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Bauernverband kritisiert Aigners Tierschutz-Pläne

Berlin > Der Deutsche Bauernverband hat Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) vorgeworfen, den Tierschutz in Deutschland zu Lasten der Landwirte voranzutreiben. Aigner trete eine „populistische Tierschutz-Debatte“ los, „ohne Rücksicht auf die fatalen Folgen für die deutschen Bauernfamilien“, erklärte Verbandspräsident Gerd Sonnleitner am Donnerstag in Berlin. Das Landwirtschaftsministerium wies die Kritik an den Tierschutz-Plänen zurück.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) wandte sich unter anderem gegen ein mögliches Verbot der Käfighaltung von Legehennen in Kleingruppen. Nach Einbußen durch das Verbot der herkömmlichen Käfighaltung in Deutschland drohten den Landwirten damit weitere Verluste, sagte DBV-Generalsekretär Helmut Born der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

DBV-Präsident Sonnleitner erklärte, es nütze den Hühnern nichts, „wenn wir auf die Bodenhaltung setzen, die Eiprodukte für Kuchen, Pizza und alle Fertiggerichte aber von Hennen stammen, die weiterhin in den alten, bei uns längst abgeschafften Käfigen sitzen“. Diese Käfige stünden in Mittel- und Osteuropa, Brasilien und Thailand.

Auch mögliche Pläne für ein Verbot der Kastration männlicher Ferkel ohne Betäubung sowie für Brandzeichen bei Pferden stoßen beim Bauernverband auf Kritik. Die Landwirtschaft sei bereit, von der Ferkelkastration völlig wegzukommen, sagte Born der „NOZ“ vom Donnerstag. Noch sei aber eine Ebermast nicht praxistauglich. Sonnleitner warnte, Millionen von Pferdeliebhabern in Deutschland verstünden nicht, wieso ein „historisch gewachsenes Kulturgut wie der Pferdebrand“ durch das „nicht ausgereifte und für die Tiere schmerzhafte“ Implantieren eines elektronischen Chips ersetzt werden solle.

Aigners Sprecher nannte die Kritik „unangemessen und unverständlich“. Zwar müsse die Nutztier-Haltung in der Landwirtschaft unabhängig von der Größe eines Betriebs schon heute höchsten Anforderungen genügen, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“ (Freitagsausgabe). „Dennoch müssen wir die Tierhaltung Schritt für Schritt weiterentwickeln und weiter verbessern, im Sinne der Landwirtschaft und der Verbraucher, und zum Wohl der Tiere.“ Erste Vorschläge für ein Tierschutz-Paket lägen bereits auf dem Tisch, betonte der Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Darin gehe es vor allem um mehr Transparenz durch ein europäisches Tierschutz-Siegel. „Wir wollen eine gesellschaftliche Debatte.“