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CSR-Preis des Sports: ein großes Missverständnis

Düsseldorf > Im Rahmen des Kongresses Sports Business Summit (SpoBiS) wurde in der vergangenen Woche erstmals der „CSR-Preis des Sports“ verliehen. Erster Preisträger ist der Fußballer Christoph Metzelder (Schalke 04), ausgelobt wurde der Preis von der Bonner ForestFinance Group und der Heidelberger Agentur pro event live-communication. Der Preis belegt anschaulich: Ein Verständnis für CSR als Verantwortungsübernahme im Kerngeschäft ist in der Branche noch nicht angekommen.

Es geht dabei nicht um das vorbildliche gesellschaftliche Engagement von Metzelder, dessen Stiftung “Training fürs Leben” (www.metzelder-stiftung.de) Kinder und Jugendliche auf ihrem schulischen und persönlichen Lebensweg begleitet und ihre Ausgangschancen für den Start ins Berufsleben verbessern will. Es geht aber darum, dass auch im Sport ein „giving back to society“, der Reinvest eines Teils der erzielten Gewinne in die Gesellschaft, keine Corporate Social Responsibility ist. Und Metzelder ist eine Einzelperson und kein Unternehmen (auch wenn Fußballer in gewisser Weise als „Marke“ funktionieren und die Transfersummen den Kaufpreis für mittelständische Unternehmen zuweilen übertreffen).

Dabei gibt es eine Fülle von CSR-Themen für den Sport und insbesondere auch für den Fußball: verantwortungsvolles Marketing und der Umgang mit gewaltbereiten Fan-Clubs, umweltfreundliche Gestaltung der Groß-Events, Korruptionsbekämpfung, Doping-Bekämpfung, das Engagement in totalitären Staaten, Verantwortungsübernahme für die sportbedingte Migration (was wird aus den jungen Leuten aus Afrika und Südamerika, die mit dem Blick auf eine Profi-Karriere nach Europa immigrieren?), Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter (viele Profis scheitern nach dem Ende ihrer Karrieren menschlich oder wirtschaftlich).

Der Sport hat eine wichtige gesellschaftliche Funktion, nirgendwo sonst sind Unternehmertum, ehrenamtliches Engagement und auch politische Verantwortung im Sinne von Gesellschaftsgestaltung und Gestaltung internationaler Beziehungen so eng miteinander verbunden. Deshalb wäre es tragisch, wenn über den Sport vermittelt würde: CSR bedeutet, etwas Gutes zu tun. Nein, CSR bedeutet: in allen Bereichen der Organisation verantwortungsvoll zu handeln und darüber Rechenschaft abzulegen.

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