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Hohe Lebensmittelpreise treiben 44 Millionen Menschen in Armut – globaler Pakt gegen hohe Nahrungsmittelpreise gefordert

Hamburg > Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat die führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) aufgefordert, gegen die steigenden Preise für Lebensmittel vorzugehen. „Die Bevölkerungen von großen aufstrebenden Volkswirtschaften ändern ihr Konsumverhalten, das treibt die Nahrungsmittelpreise in die Höhe“, sagte Trichet in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“. Dieses Problem könne jedoch gelöst werden. Es gebe in Afrika „immense Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden könnten“, sagte Trichet. „Wir brauchen hierzu die richtigen Anreize für die dortigen Bauern. Das ist ein wichtiges globales Thema, mit dem sich Gremien wie die G-20 beschäftigen sollten.“

Die Notenbanken alleine könnten den Anstieg der Nahrungsmittelpreise nicht in den Griff bekommen, sagte Trichet. Ihre Aufgabe sei es nur, zu verhindern, dass ein Anstieg der Rohstoffpreise über höhere Lohnforderungen zur Kompensation der Kaufkraftverluste eine Inflationsspirale auslöse. Mit der Krisenpolitik der Notenbanken habe der zuletzt gestiegene globale Preisdruck nichts zu tun. Dieser sei die „Folge der rasanten wirtschaftlichen Erholung in den aufstrebenden Volkswirtschaften“, sagte Trichet.

Steigende Lebensmittelpreise haben seit Juni vergangenen Jahres weltweit etwa 44 Millionen Menschen in die Armut getrieben. Die Preise seien seither wieder fast auf das Spitzenniveau des Jahres 2008 gestiegen, hatte die Weltbank am Dienstag in einer Mitteilung erklärt. Ihr Chef Robert Zoellick warnte darin, dass von den Preissteigerungen vor allem die ärmsten Menschen getroffen würden, „die mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben“. Die Weltbank veröffentlichte ihren Bericht vor Beginn eines Treffens der Finanzminister und Zentralbankchefs der 20 weltgrößten Industriestaaten am Freitag in Paris.

Den Angaben zufolge stiegen die Lebensmittelpreise allein zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 um 15 Prozent, im Jahresvergleich waren es demnach 29 Prozent. Die Preise lägen damit nur rund drei Prozent unter den Rekordwerten des Jahres 2008. Durch die Entwicklung rutschten immer mehr Menschen unter das Existenzminimum von 1,25 Dollar (etwa 93 Cent) pro Tag, hieß es. Sie seien gezwungen, weniger zu essen oder weniger nahrhafte Lebensmittel zu sich zu nehmen. Nach Angaben der Bank hätten die Preissteigerungen noch höher ausfallen können. Gute Ernten in vielen Ländern Afrikas und eine geringe Teuerung bei den Preisen für Reis hätten dies aber verhindert.

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