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Vor allem kleinere Firmen liegen bei Frauenquote in Chefetagen vorn

Berlin > Bei kleineren Firmen haben Frauen nach einer neuen Untersuchung bessere Aufstiegschancen als bei börsennotierten Unternehmen, wo sie nach wie vor in Spitzenpositionen kaum vertreten sind. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin erstmals vorgestellten „Women-on-Board-Index“ der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) hervor, für den die Personalstruktur in den Führungsebenen aller 160 in deutschen Aktienindizes notierten Unternehmen untersucht wurde. Unter den zehn Firmen mit dem höchsten Frauenanteil befindet sich demnach mit Siemens lediglich ein Großkonzern.

Mit einem Frauen-Anteil in Leitungspositionen von 40 Prozent liegt das Marktforschungsinstitut Gfk aus Nürnberg an der Spitze des Rankings. Die Parfümeriekette Douglas (30 Prozent) und der Motorenbauer Deutz (29 Prozent) folgen auf den Plätzen zwei und drei. Der Technologiekonzern Siemens als einziger Vertreter aus dem führenden Aktienindex Dax landet mit einem Anteil von 22,5 Prozent auf dem sechsten Platz – umrahmt von unbekannteren Firmen wie der SKW Stahl-Metallurgie Holding (25 Prozent) und der Rhön-Klinikum AG (17,1 Prozent), die in kleineren deutschen Aktienindizes wie dem MDax oder dem SDax gelistet sind.

Insgesamt seien Frauen in der Führungsspitze der börsennotierten deutschen Unternehmen „eklatant unterrepräsentiert“, erklärte die Fidar-Initiative. Im Schnitt seien bei den besagten 160 Firmen nur 6,5 Prozent der Top-Manager zum Stichtag 14. Januar 2011 weiblich gewesen – sowie drei Prozent der Vorstände und zehn Prozent der Aufsichtsräte. Viele Unternehmen hätten für die 2011 anstehenden Hauptversammlungen allerdings schon Veränderungen an ihrer Spitze angekündigt.

Der „Women-on-Board-Index“ ist nach Angaben von Fidar das erste Ranking aller börsennotierten Unternehmen nach dem Frauenanteil in Chefetagen. Er soll künftig laufend veröffentlicht werden, um die Umsetzung der Empfehlungen des sogenannten Corporate Governance Kodexes für mehr Chancengleichheit in Unternehmen zu verfolgen.

„Wir brauchen diesen öffentlichen Druck, damit sich die Unternehmen endlich bewegen. 93,5 Prozent Männerquote in Aufsichtsräten und Vorständen ist nicht mehr hinnehmbar“, erklärte Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. Die Bundesregierung müsse jetzt ernst damit machen, den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes in börsennotierten und öffentlichen Unternehmen durchzusetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich kürzlich gegen eine gesetzlich festgelegte Frauenquote ausgesprochen und setzt auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft.