Nachrichten

Lobby-Wächter kritisieren EU-Lebensmittelbehörde

Brüssel > Die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist in die Kritik geraten, weil leitende Mitglieder angeblich auch Industrie-Interessen vertreten. Drei EFSA-Verwaltungsräte seien zugleich auch „Berater für große Lebensmittelunternehmen“, die über sogenannte Thinktanks „die politische und wissenschaftliche Debatte über Lebensmittelrisiken zu manipulieren suchen“, erklärte die Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) am Mittwoch in Brüssel. Zu den genannten Verwaltungsräten gehört der Deutsche Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Die EFSA berät EU-Institutionen in Fragen der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit. Sie fertigt zum Beispiel Gutachten an, auf die sich Politiker bei Gesetzen zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln stützen können. Die EFSA soll dabei streng wissenschaftlich arbeiten. Die CEO forderte, die EU-Behörde dürfe keine Verwaltungsräte mit „Interessen in der Lebensmittelindustrie“ haben. Die Organisation untersucht den Einfluss von Lobbyisten auf die EU-Politik.

In der von der CEO veröffentlichten EFSA-Stellungnahme zu den angeblichen Interessenkonflikten heißt es, die EFSA solle laut Gründungsbeschluss ausdrücklich auch Direktoren mit industriellem Hintergrund haben. Die CEO macht dagegen eine Stellungnahme der EFSA vom vergangenen Jahr zu ihrer Verwaltungsrätin Diána Bánáti geltend. Damals entschied die Behörde, dass Bánáti während ihres EFSA-Mandats keine „einflussreiche Rolle“ in Organisationen der Lebensmittelindustrie spielen dürfe. Die Lebensmittelbehörde sprach in dem Fall selbst von einem „potenziellen Interessenkonflikt“.

Die Mitteilung von Corporate Europe Observatory: http://www.corporateeurope.org/agribusiness/content/2011/02/efsa-conflicts-interest-board.
Die EFSA-Stellungnahme zu Verwaltungsrätin Diána Bánáti:
http://www.efsa.europa.eu/en/press/news/corporate101021.htm