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Umweltlabel und Preise in neuem Design: Wie Politik innovative Unternehmen stärkt

Angesichts der Diskussionen um die Versteigerung von Emissionszertifikaten und die Milliardenförderung für Erneuerbare Energien sind ältere Förderinstrumente für umweltfreundliches Wirtschaften wie klassische Förderprogramme eher in den Hintergrund gerückt. Mit neuen Regeln wollen das Umweltmanagement-System EMAS und das Umweltzeichen Blauer Engel und Euroblume wieder attraktiver werden. Diese Programme sind auch für den Mittelstand interessant.

Von Hans-Dieter Sohn (CSR MAGAZIN)

Innovationen sind das große Sehnsuchtswort der Umweltpolitik: „Umweltschutzpolitik zu machen, ist auch eine Innovations- und Wirtschaftsstrategie“, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen 2009 in seiner Regierungserklärung. Doch Innovationen schaffen es oft nicht von alleine, sich am Markt durchzusetzen. Sie „brauchen einen Motor“, wie das Bundesumweltministerium erklärt, zum Beispiel Förderprogramme. Schließlich klagen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oft über Engpässe bei der Finanzierung von Umweltinnovationen, heißt es in einer Studie der FU Berlin.

Mit Förderprogrammen wie dem „Umweltinnovationsprogramm“ fördert das Bundesumweltministerium (BMU) seit 30 Jahren technische Umweltprojekte, vor allem solche „mit hoher Demonstrationswirkung“ und „Multiplikatorwirkung“ –gut also für ein Image als innovatives Unternehmen. Und wirksam, wie das Prognos-Institut 2010 in einer Evaluation herausfand: 80 Prozent der Projektziele wurden erfüllt oder sogar übererfüllt. Der aktuelle Programmschwerpunkt „Klimaschutz“ sollte aber um „Ressourceneffizienz“ ergänzt werden, empfiehlt Prognos. Eine solche Förderung könnte der Regierung helfen, ihrem selbstgesteckten Ziel näher zu kommen, die Rohstoffeffizienz bis 2020 im Vergleich zu 1994 zu verdoppeln. Derzeit liegt sie nicht im Plan, hatte das Umweltbundesamt im Herbst gewarnt. Weitere Finanzierungshilfen der EU, des Bundes und der Länder fasst die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums zusammen (www.foerderdatenbank.de).

Für Firmen, die nicht nur für einzelne Projekte eine Unterstützung suchen, sondern umfassend ihren betrieblichen Umweltschutz verbessern und damit glaubwürdig werben wollen, hat die EU 1993 das Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystem EMAS eingeführt. Dessen Besonderheit: geprüft wird von staatlich zugelassenen Umweltgutachtern.

Neuer Standard für öffentliche Aufträge?

Doch EMAS hatte in den letzten Jahren ein Problem: Das Interesse von Unternehmen schwand. Derzeit sind 1.300 Organisationen zertifiziert, vor knapp zehn Jahren waren es nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags noch über 2.300, wobei der Anteil von öffentlichen Einrichtungen, Verbänden und Kirchengemeinden steigt. Deutlich erfolgreicher als EMAS hat sich der globale „Konkurrent“ ISO 14001 entwickelt – mit rund 4.000 zertifizierten Unternehmen in Deutschland.

Die 2010 in Kraft getretene EMAS-III-Reform macht Hoffnung auf eine Trendwende, findet Christoph Märtterer, Sprecher des Umweltgutachterausschusses beim BMU. Er hält die Revision für gelungen, unter anderem weil das „Premium-Label EMAS“ nun auch global anwendbar sei: „Das macht das System vor allem für Firmen mit außereuropäischen Standorten deutlich interessanter.“ Neu ist auch der Fokus auf Umweltleistungskennzahlen, sogenannten Key Performance Indicators.

Wie Bund und Länder für KMU mit EMAS verbundene Kosten bezuschussen, zeigt ein Infoblatt des Umweltgutachterausschusses. Im ersten Jahr fallen für KMU im Schnitt 40.000 Euro an, hat eine Studie für die EU-Kommission im Jahr 2009 ermittelt. Als weitere Erleichterungen für KMU gelten nun zudem längere Zyklen für die Begutachtung und die validierte Umwelterklärung.

Zunehmend interessant für EMAS-zertifizierte Firmen ist das Kriterium „Umweltmanagementsystem“ in öffentlichen Ausschreibungen: Mit der jüngsten Novelle des deutschen Vergaberechts haben Verwaltungen jetzt die Möglichkeit, bei Ausschreibungen auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Dabei geht es jährlich in Deutschland um geschätzte 150 bis 360 Milliarden Euro. Die deutschen Behörden allerdings hinken hinter Großbritannien, Frankreich und Italien her und „könnten deutlich progressiver sein“, mahnt Märtterer an. Die Infoseite www.emas.de bietet eine europaweite Übersicht über Ausschreibungen mit Umweltmanagement-Kriterien.

Aufgefrischte produktbezogene Umweltlabel

Auch das Umweltbundesamt wirbt für sein Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ mit der Möglichkeit, mit Hilfe des Labels in öffentlichen Ausschreibungen die Konkurrenz auszustechen. Das ist nicht die einzige Parallele zwischen der Situation des „Firmenlabels“ EMAS und dem „Produktlabel“ „Blauer Engel“. Auch das älteste und laut Umweltbundesamt bekannteste Umweltlabel steckte in einer Krise und wurde zuletzt überarbeitet, um den Kundenwünschen besser zu entsprechen. Die wichtigste Innovation: Der „Blaue Engel mit dem Schutzziel Klima“. Unterstützung kommt vom Bundesverband der Deutschen Industrie, der für energieverbrauchende Geräte Umweltzeichen wie den Blauen Engel wegen ihrer „umfassenden und integrierten Umweltbewertung“ gegenüber einem bloßen CO2-Label bevorzugt. Derzeit sind über 11.500 Produkte und Dienstleistungen von rund 1.050 Unternehmen in 90 Produktgruppen ausgezeichnet. Für mehr als 40 Produktgruppen gibt es den Blauen Engel als Klimaschutzzeichen. Im Zuge der Label-Reform sollen es bis zu 100 klimarelevante Produktgruppen werden.

Dieser frische Wind ist nötig, will das Label seine Relevanz behalten oder ausbauen. Sehr verbreitet ist es bei Farben, Lacken und Papieren. Kein Blauer Engel wurde aber bislang für Beamer, Notebooks oder Holzspielzeug vergeben. „Bei den meisten neuen Kategorien sind die Vergabegrundlagen noch nicht lange bekannt. Bevor eine Lizenz erteilt wird, sind zahlreiche Prüfungen notwendig“, gibt sich Umweltlabel-Expertin Elke Kreowski vom Umweltbundesamt gelassen. Die Anforderungen des Labels sind generell hoch, oft zu hoch für Firmen, die noch damit kämpfen, neuen EU-Vorschriften im Bereich Ökodesign zu entsprechen, erklärt Kreowski. Viele Hersteller scheuen zudem den Aufwand für das deutsche Label, wenn sie ihre Produkte weltweit vermarkten.

Auch wer das EU-Umweltzeichen „Euroblume“ nutzen will, muss seit rund einem Jahr deutlich strengere Kriterien erfüllen. Krebserregende, erbgutverändernde oder giftige Substanzen sind jetzt tabu. Außerdem wurden die Gebühren für Unternehmen deutlich gesenkt. Die EU-Kommission will – wie die Jury Umweltzeichen – die Zahl der Produktgruppen weiter erhöhen. Aus derzeit 26 Kategorien sollen bis 2015 zwischen 40 und 50 werden.

Imagefaktor Umweltpreise

Eine weitere Möglichkeit, die eigene Firma als ökologisch vorbildlich zu positionieren ist die Bewerbung um einen der Umweltpreise der Bundesländer. Eine solche Auszeichnung kann auch im Unternehmen selbst seine Wirkung erzielen, berichtet Hauke Hannig, Pressesprecher des Ventilatorenherstellers ebm-pabst: „Dass wir den Umweltpreis Baden-Württemberg für Unternehmen erhalten haben, ist für unsere Mitarbeiter Motivation und Signal, auf dem richtigen Weg zu sein.“ Der Umweltpreis für Unternehmen Baden-Württemberg wird voraussichtlich 2012 wieder ausgeschrieben, heißt es aus dem Landesumweltministerium.

An den Details des Schleswig-Holsteinischen Nachhaltigkeitspreises wird gearbeitet. Deadline für Bewerbungen ist Ende Mai. Bremens Umweltpreis nennt sich „umwelt unternehmen: Nordwest“, das Bewerbungsende liegt „wahrscheinlich Mitte September“, teilen die Veranstalter mit.

Für die Umweltpreise der Bayerischen Landesstiftung und des Landes Rheinland-Pfalz endet die nächste Bewerbungsphase im März 2012, die Umweltpreise des Landtags Mecklenburg-Vorpommerns und des Freistaates Sachsen werden erst wieder 2013 verliehen.