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Deutsche Atomindustrie unterstützt Japans Betreiberfirma TEPCO

Deutsche Kernkraftwerksbetreiber und die deutsche Nuklearindustrie starten am Montag eine umfassende Hilfsaktion für Japan. Die Betreiberfirma der havarierten Atomkraftanlage in Fukushima bat internationale und auch in Deutschland um technische Hilfe.

Berlin > Deutsche Kernkraftwerksbetreiber und die deutsche Nuklearindustrie starten am Montag eine umfassende Hilfsaktion für Japan. Die Betreiberfirma der havarierten Atomkraftanlage in Fukushima habe internationale und auch in Deutschland um technische Hilfe gebeten, teilte der Verein Deutsches Atomforum mit. Aus Deutschland würden 20 Paletten mit Hilfsgütern wie Spezialfilter, Masken und Dosimetern nach Japan geflogen. Die Unterstützung mit weiterem kerntechnischem Spezialequipment sei zugesagt.

Das Deutsche Atomforum (DAtF) wurde 1959 als Lobbyverband der Atomenergie gegründet und will „die Forschung und die Information der Öffentlichkeit auf dem Gebiet der friedlichen Kernenergienutzung“ fördern, so die Satzung. Die etwa 100 Mitglieder stammen insbesondere aus Unternehmen aus Industrie und Energiewirtschaft und Forschungseinrichtungen. Auch Einzelpersonen können Mitglied werden. Präsident ist Dr. Ralf Güldner, Mitglied der Geschäftsführung der E.ON Kernkraft GmbH in Hannover. Auslöser der Ereignisse in Japan sei eine Verkettung zweier Naturkatastrophen gewesen, hatte das Deutsche Atomforum zu den aktuellen Ereignissen erklärt. „Eine Verkettung eines derart schweren Erdbebens und eines schweren Tsunamis ist in Deutschland nicht vorstellbar.“

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Ein völliger Ausstieg aus der Atomtechnik ist unmöglich und unverantwortlich.

Die Diskussion über die Nutzung der Kernenergie in Deutschland blendet aus, dass radioaktive Materialien auf vielen Gebieten zum Einsatz kommen und nicht nur zur Energiegewinnung. Bekannt und von den meisten gewollt ist ihre Anwendung in der Medizin, dort läuft sie unter dem Stichwort „Nuklearmedizin“. Eine wichtige Forschungseinrichtung ist das (Kern-) Forschungszentrum Karlsruhe; international bekannt ist auch das Kernforschungszentrum CERN im schweizer Kanton Genf. Die Erforschung des Atoms und der Nutzanwendung von Kernspaltung ist ein weites Feld. Hier werden Grundlagen- und Anwendungsforschungen betrieben. Auch Anlagen wie die in Karlsruhe erzeugen Atommüll.

Die Ereignisse in Fukushima zeigen: Wir verwenden bei der Kernspaltung eine Technik, deren Risiken wir nicht vollständig beherrschen. Der „größte anzunehmende Unfall“ ist zwar nicht auszuschließen, aber sehr unwahrscheinlich. Allerdings, das lehrt uns Japan, nicht so unwahrscheinlich, wie wir gehofft hätten.

Die Problemstellung ist komplexer, als es vielen lieb ist: „Wir verzichten auf jegliche Form von Kernspaltung“, kann unsere Antwort auf die Ereignisse in Japan nicht lauten, denn wir würden uns damit auch segensreicher Anwendungen dieser Technologie – wie der Nuklearmedizin – berauben. Ein „weiter so“ ist aber ebenfalls ausgeschlossen.

Wir brauchen ethische Maßstäbe für die friedliche Nutzung der Kernspaltung. Diese – neu – zu definieren, wird uns in den kommenden Monaten beschäftigen. Wir müssen dabei die Frage beantworten:

  • Unter welchen Voraussetzungen und in welchen Lebensbereichen wollen wir die Nukleartechnik weiter nutzen?