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ILO lobt deutsche Arbeitsmarkt-Politik in der Krise

Der deutsche Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation dank der Stabilisierungspolitik besser durch die globale Wirtschaftskrise gekommen als der anderer Industriestaaten. Eine entsprechende erste Analyse der deutschen Antikrisenpolitik stellte die Organisation am Montag in Genf vor.

Genf > Der deutsche Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dank der Stabilisierungspolitik besser durch die globale Wirtschaftskrise gekommen als der anderer Industriestaaten. Eine entsprechende erste Analyse der deutschen Antikrisenpolitik stellte die ILO am Montag in Genf vor. Demnach gelang es der Bundesrepublik, den Rückgang der Beschäftigung 2009 trotz eines Einbruchs der Wirtschaftsleistung auf lediglich 0,2 Prozent zu begrenzen. Das ist nach ILO-Angaben ein Fünftel dessen, was der Arbeitsmarkt der Industrieländer in der weltweiten Rezession im Schnitt zu verkraften hatte.

Ursache für die Stabilisierung der Beschäftigung in Deutschland sei eine „intelligente“ Mischung aus Konjunkturförderung, arbeitsmarktpolitischen Instrumenten und einer Stärkung der sozialen Sicherungssysteme gewesen, erklärte der Autor der Studie, Steven Tobin. So habe die Bundesregierung die Möglichkeiten für Kurzarbeit ausgeweitet und so dazu beigetragen, dass keine Jobs abgebaut worden seien. Die Unternehmen hätten die Krise unter anderem zum Ausgleich der Arbeitszeitkonten ihrer Beschäftigten genutzt, auf denen sich viele Überstunden angesammelt hatten. Auch das habe Entlassungen verhindert.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wertete das Ergebnis der Untersuchung als Beleg für die generelle Überlegenheit eines „beschäftigungsorientierten“ Ansatzes zur Krisenbekämpfung. Breit angelegte wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen des Staates, konzertierte Anstrengungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Beschäftigungssicherung sowie ein „starker sozialer Dialog“ stabilisierten die Lage, erklärte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer auch mit Blick auf aktuelle Diskussionen in anderen europäischen Staaten, die derzeit mit Wirtschafts- und Finanzproblemen kämpfen. Wer auf Deregulierungen des Arbeitsmarkts und geringe Lohnerhöhungen für Beschäftigte setze, schwäche die „internen Wachstumskräfte“.

Nach der gelungenen Krisenbewältigung sieht die ILO den Arbeitsmarkt in Deutschland vor Herausforderungen, die ebenfalls einen Maßnahmen-Mix erforderten. So könne sich die Alterung der Gesellschaft negativ auf die Wachstumsaussichten auswirken. Deutschland müsse daran arbeiten, den Rückgang der Arbeitnehmerzahl durch Förderung von Frauen, älteren Arbeitnehmern und Migranten auszugleichen. Dafür müsse das Rentensystem so umgestaltet werden, dass es längere Berufstätigkeit belohne. Auch Betreuungsangebote für kleine Kinder müssten dringend verbessert werden.