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Soziologe erwartet wegen Atomdebatte Repolitisierung der Jugend

Die durch die Reaktorkatastrophe in Japan neu entflammte Atomdebatte könnte nach Auffassung des Berliner Soziologen Klaus Hurrelmann zu einer wieder stärkeren Politisierung der Jugendlichen in Deutschland führen. Laut Shell-Jugendstudie hat sich bereits von 2002 bis 2010 das politische Interesse der 13- bis 14-Jährigen verdoppelt.

Berlin > Die durch die Reaktorkatastrophe in Japan neu entflammte Atomdebatte könnte nach Auffassung des Berliner Soziologen Klaus Hurrelmann zu einer wieder stärkeren Politisierung der Jugendlichen in Deutschland führen. „Die 12- bis 14-Jährigen haben eine besondere Witterung für wichtige Themen“, sagte Hurrelmann, der an der Shell-Jugendstudie mitarbeitet, dem „ZEITmagazin“. Wahrscheinlich werde es über Umweltthemen „zu einer Repolitisierung der jüngeren Generation kommen“.

Nach einer nicht repräsentativen Umfrage des „ZEITmagazins“ herrscht an den sechsten und siebten Klassen deutscher Schulen derzeit Ausnahmezustand. Lehrer hielten Sonderstunden über das Unglück ab und staunten dabei, wie gut ihre Schüler bereits informiert seien. Die große Mehrheit von ihnen lehne Atomkraft ab. Hurrelmann verglich dies mit der Reaktorkatastrophe 1986 im ukrainischen Tschernobyl, die mit zum Aufstieg der Grünen beigetragen habe. Nun könne die Katastrophe in Japan ähnliche Folgen haben.

Laut Shell-Jugendstudie hat sich bereits von 2002 bis 2010 das politische Interesse der 13- bis 14-Jährigen verdoppelt. Als ein wichtiger Grund dafür wurden Sorgen der jungen Menschen wegen des Klimawandels genannt. Den Trend greifen auch Jugendmedien auf:

„Bravo“ erscheint nach Atomunfall in Japan erstmals mit Polit-Poster

Anti-Atom-Protest statt Teeniestar-Porträt: Wegen des schweren Reaktorunglücks in Japan ist das deutsche Jugendmagazin „Bravo“ am Mittwoch erstmals in seiner rund 55-jährigen Geschichte mit einer politischen Botschaft in Posterform erschienen. Der neuen Ausgabe lag nach Verlagsangaben ein herausnehmbares Plakat mit einem Aufruf zum Ausstieg aus der Atomkraft bei.

Bislang hatte sich die Zeitschrift bei ihren legendären Postern, die seit Jahrzehnten die Wände zahlreicher deutscher Jugendzimmer schmücken, nahezu ausschließlich auf Musiker, Schauspieler und Sportler beschränkt. Als einziger Politiker schaffte es bislang US-Präsident Barack Obama nach seiner Wahl 2008 auf ein „Bravo“-Plakat. Ein herausnehmbares Poster mit einer inhaltlich konkreten politischen Aussage aber hatte das Blatt bislang noch nicht veröffentlicht.

„Unsere Leser sind die Generation, die mit den Folgen unserer heutigen politischen Entscheidung Pro oder Contra Atomkraft leben müssen“, erklärte Chefredakteur Philipp Jessen die Entscheidung der „Bravo“-Redaktion. Der Super-GAU im Kraftwerk Fukushima sorge bei Jugendlichen für Verunsicherung und Betroffenheit, wie viele Briefe und E-Mails an die „Bravo“-Redaktion zeigten. „Mit dem Poster sprechen wir unseren Lesern aus dem Herzen“, betonte Jessen.