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Im Schneckentempo zu mehr Frauenbeteiligung

„Das war ein guter Tag für die Dax 30-Unternehmen“, sagte Telekom-Personalchef Thomas Sattelberger zufrieden. Nach ihrem Spitzentreffen mit mehreren Ministern der schwarz-gelben Bundesregierung können die Firmenchefs in ihren Zentralen berichten, dass sie beim Frauenanteil in den Führungsetagen im Prinzip so weitermachen können wie bisher.

Berlin > „Das war ein guter Tag für die Dax 30-Unternehmen“, sagte Telekom-Personalchef Thomas Sattelberger zufrieden. Nach ihrem Spitzentreffen mit mehreren Ministern der schwarz-gelben Bundesregierung können die Firmenchefs in ihren Zentralen berichten, dass sie beim Frauenanteil in den Führungsetagen im Prinzip so weitermachen können wie bisher. Im Lauf des Jahres sollen eigene Ziele formuliert und veröffentlicht werden, kündigten die Unternehmer zwar am Mittwoch in Berlin. Doch gesetzlichen Vorgaben will sich die Wirtschaft nicht beugen. Eine Begründung: Es fehle gerade in technikorientierten Unternehmen an Bewerberinnen.

Dabei hatte Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) ihren Stufenplan schon so defensiv formuliert, dass er den Unternehmen viel Spielraum ließ. Eine „Flexi-Quote“ sollten diese je nach ihren eigenen betrieblichen Bedingungen festlegen, innerhalb von acht Jahren sollte die Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen verdreifacht werden. Schröder blieb damit weit hinter den Forderungen ihrer Kabinettskollegin, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), zurück, die einen 30-prozentigen Frauenanteil bis 2020 gefordert hatte – und damit schon bei der Bundeskanzlerin abgeblitzt war.

Das von vielen als entscheidend in dem quälenden Streit um die Quote herbeigesehnte Treffen brachte Schröder nicht den gewünschten Durchbruch, auch wenn die Ministerin sich im Anschluss unbeirrt „sehr froh“ über das Ergebnis zeigte. „Den Stufenplan haben wir nicht bestätigt“, sagte indes BMW-Personalvorstand Harald Krüger. Die darin vorgesehene gesetzlich vorgeschriebene Selbstverpflichtung, sollten die Unternehmen nicht bis 2013 Verbesserungen erzielen, haben den Managern offensichtlich nicht gefallen. Und so blieb es erst einmal bei der Formulierung eigener Ziele beim Frauenanteil – immerhin noch in diesem Jahr.

Ähnlich gespalten wie die Haltung innerhalb der Bundesregierung zu den Frauenquoten waren die Reaktionen der teilnehmenden Kabinettsmitglieder nach dem Treffen vom Mittwoch: „Einen kräftigen Schuss Optimismus“ nehme er von dem Treffen mit, sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Auch seine nicht als Verfechterin einer starren Quote geltende Parteikollegin, Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, lobte eine „deutliche Vorwärtsbewegung“, die sie in der Zusage der Wirtschaft zu konkreten Zielen zu erkennen glaubte. Von der Leyen hingegen bemängelte die fehlenden konkreten Ergebnisse und formulierte fast trotzig, sie halte an ihrem 30-Prozent-Ziel fest.

Aus der Opposition wurde nach dem Frauenquoten-Gipfel vor allem Häme laut: Mit Unternehmen über eine verbindliche Quote zu diskutieren, sei „so, als wolle man mit Gänsen über Weihnachten diskutieren“, spottete SPD-Chef Sigmar Gabriel. Grünen-Chefin Renate Künast sprach von einer „Show-Veranstaltung“.

Die Unternehmen indes feierten den Gipfel erst einmal als Erfolg – für die Frauen und sich selbst. „Gemischte Führungsteams“ untermauerten den Geschäftserfolg nachhaltig, erklärten sie. Telekom-Personalchef Sattelberger wies auf den Ansehensverlust im Fall einer verfehlten Frauenförderung hin. Sein Unternehmen konnte am Mittwoch glänzen, hat es sich doch bereits vor einem Jahr verpflichtet, den Frauenanteil in oberen und mittleren Führungspositionen bis 2015 auf 30 Prozent zu erhöhen. Zurzeit dümpelt der Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten bei im Schnitt zehn Prozent, in Vorständen sind nur rund 2,5 Prozent der Mitglieder Frauen.

Leise Kritik an den Resultaten der Gespräche kam am Mittwoch treffenderweise von einer Frau aus der Wirtschaft: Brigitte Ederer, Arbeitsdirektorin bei Siemens, bedankte sich mehrfach für den Druck, den die Politik auf die Unternehmen jetzt ausübe. „Den brauchen wir.“ Aber nachgeben wollten die Zugpferde der deutschen Wirtschaft dieses Mal doch nur so viel, wie sie selbst für richtig hielten.