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Zwang und Belohnungen für Frauen in der Chefetage

In den Bemühungen, mehr Frauen in den Chefetagen der Unternehmen unterzubringen, sind andere europäische Länder Deutschland deutlich voraus. Nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel haben bislang vier EU-Staaten sowie Norwegen und Island gesetzliche Maßnahmen ergriffen oder bereiten diese vor.

Brüssel > In den Bemühungen, mehr Frauen in den Chefetagen der Unternehmen unterzubringen, sind andere europäische Länder Deutschland deutlich voraus. Nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel haben bislang vier EU-Staaten sowie Norwegen und Island gesetzliche Maßnahmen ergriffen oder bereiten diese vor.

NORWEGEN

Das Nicht-EU-Land Norwegen gilt in Europa bei Frauenquoten als Vorreiter. Nach Gesetzen aus den Jahren 2004 und 2008 müssen die Vorstände staatlicher und großer börsennotierter Konzerne zu 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Allerdings sind nicht an der Börse notierte Unternehmen davon befreit, obwohl sie die Mehrheit der norwegischen Firmen ausmachen. Nach Regierungsangaben von Anfang März gibt es jedoch Erwägungen, die Regel auf nicht-notierte große Konzerne auszuweiten.

FRANKREICH

In Frankreich sollen bis 2017 mindestens 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein, wie das Parlament im Januar beschloss. In einem ersten Schritt soll die Frauenquote bis 2014 auf 20 Prozent angehoben werden. Die Unternehmen, die bisher keine Frau im Vorstand haben, sollen spätestens sechs Monate nach Verabschiedung des Gesetzes eine Frau ernennen. Die Vorschrift gilt für die 650 börsennotierten Unternehmen sowie alle Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz.

SPANIEN

In Spanien wurde eine gesetzliche Quote 2007 verabschiedet. Sie verpflichtet nach EU-Angaben Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten dazu, bis 2015 einen Frauenanteil in der Chefetage von 40 Prozent zu erreichen. Dieses Minimum gilt demnach auch für Männer, so dass mehr als 60 Prozent Frauen nicht möglich wären. Spanien fördert das Modell dadurch, dass Firmen bei öffentlichen Aufträgen der Vorzug gegeben wird, die die Quote erfüllen.

BELGIEN

Im belgischen Parlament ist der Nachrichtenagentur Agentur Belga zufolge derzeit ein Gesetz in Vorbereitung. Es schriebe einen Anteil von einem Drittel Frauen im sogenannten Verwaltungsrat von börsennotierten Unternehmen vor, welcher die Anteilseigner vertritt. Das bislang nur von einem Parlamentssauschuss beratene Gesetz ließe den Unternehmen nach einer Verabschiedung im Plenum fünf Jahre Zeit für die Umsetzung.

ISLAND

Der EU-Anwärter hat nach Angaben der Europäischen Kommission im März 2010 ein Quoten-Gesetz erlassen. Es sieht vor, dass bis September 2013 mindestens 40 Prozent beider Geschlechter in Unternehmensvorständen vertreten sind.

ÖSTERREICH

In Österreich hat die Regierung Mitte März eine „Selbstverpflichtung“ beschlossen. Nach Angaben einer Regierungssprecherin in Wien gilt sie aber nur für Betriebe, an denen der Staat mindestens 50 Prozent hält. Bis Ende 2013 sollen in ihren Aufsichtsräten mindestens 25 Prozent Frauen vertreten sein, bis Ende 2018 mindestens 35 Prozent. Die Regierung wolle jedoch „in Bälde“ Vorschläge für Quoten auch in privat dominierten Firmen machen.