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Wie gelangen Frauen in Führungspositionen?

Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft zur Beschäftigung von Frauen in Führungspositionen hat bisher enttäuscht. Einer gesetzliche Frauenquote alleine löst das Problem auch nicht. Das wurde bei einer Diskussion am 6. April auf dem CSR-Forum in Stuttgart deutlich.

Stuttgart > Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft zur Beschäftigung von Frauen in Führungspositionen hat bisher enttäuscht. Einer gesetzliche Frauenquote alleine löst das Problem auch nicht. Das wurde bei einer Diskussion am 6. April auf dem CSR-Forum in Stuttgart deutlich.

Die Beschäftigung von Frauen in Führungspositionen setzt ein Engagement für die Work-Life-Balance, eine strategische Personalplanung, in der Frauen einen Platz einnehmen, und eine entsprechende Führungskultur voraus. Diese Auffassung vertrat Dagmar Wilbs, Leiterin des Geschäftsbereichs Human Capital bei Mercer. Eine Frauenquote löse das Problem nicht; erforderlich sei der Blick auf die Ursachen dafür, dass Frauen selten in Führungspositionen gelangen. Frauen könnten jedenfalls ebenso machtorientiert handeln wie Männer, so Wilbs: „Ich habe Freude an der Macht, ich habe aber auch Freude an Kooperationen.“ Für die Zukunft erwartet Wilbs einen einfacheren Zugang von Frauen zu Führungspositionen, da die nachwachsende Managementgeneration ein internationales Führungsbild, virtuelle Arbeitsplätze und flexiblere Arbeitszeiten als Werte mitbringe.

Deutliche Kritik an der gegenwärtigen Situation übte die Vorsitzende des Vereins Erfolgsfaktor Frau, Martine Herpers. „Gleich zu gleich gesellt sich gern“, nach diesem Motto würden Männer andere Männer in Führungspositionen berufen. Herpers kritisierte aber auch die Frauen, die sich ohne Berufstätigkeit in eine langfristige gesellschaftliche Abhängigkeit vom Mann begäben: „Die Hausfrauenehe gibt es fast nur noch in den Köpfen.“ Daran ändere auch die Erziehungsaufgabe nichts: „Die Mutter gehört zum Kind ist ein typisch deutsches Phänomen.“ Unternehmen sollten bei ihren Festlegungen in Bezug auf die Beschäftigung von Frauen in Führungspositionen nicht bei niedrigen Anteilen von 20 oder 30 Prozent bleiben. Zugleich trat Herpers für eine verpflichtende und mit Sanktionen versehene Frauenquote ein: „Wir brauchen einen starken Werteumbruch und das erreicht man nur mit finanziellem Druck.“

Auch der Gründer des Beraternetzwerks CoReCo-Consulting, Martin Heuser, trat für eine verpflichtende Frauenquote ein. Die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft habe bisher nichts bewirkt und werde es auch in der Zukunft nicht. Eine Frauenquote könne sich an europäischen Benchmarks orientieren und für verschiedene Brachen unterschiedliche Anteile für Frauen in Führungspositionen vorgeben.

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