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Puma will Umweltkosten in die Ergebnisrechnung einbeziehen

Am Donnerstag wird Jochen Zeitz seine vermutliche letzte Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender der Puma AG leiten. Er hat dem Unternehmen eine nachhaltigere Unternehmensstrategie verpasst. Puma will in Zukunft einzelnen Punkte der Umweltbilanz die Kosten gegenüberstellen und die Ergebnisse in die strategischen Unternehmensentscheidungen einfließen lassen.

Herzogenaurach > Am morgigen Donnerstag wird Jochen Zeitz seine vermutliche letzte Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender der Puma AG leiten. Von den Aktionären soll die Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) beschlossen werden. Ist diese vollzogen, wird Zeitz zur Konzernmutter PPR wechseln und übernimmt dort die Leitung der Gruppe Sports & Lifestyle sowie das Vorstandsressort Nachhaltigkeit. Auf Konzernebene kann Zeitz unter der Bezeichnung PPR Home seine Vorstellungen einer Nachhaltigkeitsstrategie fortführen. Mit einem jährlichen Budget von 10 Millionen Euro, einem Team von 15 Mitarbeitern und einem Experten-Netzwerk will PPR ein echtes nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln. PPR-Chef Francois-Henri Pinault: „Ich bin davon überzeugt, mit Nachhaltigkeit einen Mehrwert im Sinne meiner strategischen Vision von PPR zu schaffen. Nachhaltigkeit muss neue Geschäftsmodelle hervorbringen, mit denen wir unsere Wettbewerbsposition stärken“. Zur französischen PPR-Gruppe gehören, neben Puma, auch Luxuslabels wie Gucci, Bottega, Veneta und Yves Saint Laurent.

Für Zeitz wird die neue Aufgabe die konsequente Fortsetzung seiner Mission. Als Vorstandschef von Puma hat er dem Unternehmen eine nachhaltigere Unternehmensstrategie verpasst. Dafür wurde er im letzten Jahr mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis belohnt. Weitere Ziele sind formuliert und sollen bis 2015 umgesetzt werden. Dazu hat Puma in den letzten sechs Jahren, entlang der gesamten Wertschöpfungskette, Umweltkennzahlen zusammengetragen. Ihre Analyse soll helfen den „ökologischen Fußabdruck“ zu beziffern und weiter zu reduzieren. Die Ergebnisse werden im unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsindex, S-Index abgebildet. Diesen will Puma in diesem Jahr einführen und 50 Prozent der internationalen Puma-Kollektionen, bis 2015, danach herstellen. Unterstützt wird Puma dabei von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PWC) und TruCost, ein auf Umweltkosten spezialisiertes Beratungsunternehmen. Erster Meilenstein wird eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung sein, die voraussichtlich im Mai präsentiert wird. Zunächst würden nur einige Schlüsselkriterien eingerechnet räumte Zeitz gegenüber der Financial Times Deutschland ein, außerdem rechne er mit viel Kritik an der ersten Aufstellung. Trotzdem will Puma in Zukunft einzelnen Punkte der Umweltbilanz die Kosten gegenüberstellen und die Ergebnisse in die strategischen Unternehmensentscheidungen einfließen lassen. Das kann im Einzelfall eine stärkere Regionalisierung der Produktion bedeuten, sagte Zeitz in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Dort sprach er sich auch für einen verpflichtenden Nachhaltigkeitskodex aus: „Die freie Marktwirtschaft erfordert auch Grenzen. Sinnvoll wäre ein Nachhaltigkeitskodex nach dem Vorbild des Corporate-Governance-Kodex. Jedes Unternehmen müsste dann seinen CO2-Fußabdruck veröffentlichen“.

Einen Schritt zur Verbindung von Ökonomie und Nachhaltigkeit ist Puma bereits gegangen. In diesem Jahr wurde erstmals ein integrierter Finanz- und Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt.