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Klimaschutz-Technologie oder unsichere Geldverbrennung?

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zu der sogenannten CCS-Technologie („Carbon Capture and Storage“) beschlossen. Damit soll künftig Kohlenstoffdioxid (CO2) aus Kohlekraftwerken unterirdisch eingelagert werden, um das Klima zu entlasten. Die Technik wird von Befürwortern als klimafreundlich gepriesen, Kritiker weisen aber auf Risiken und hohe Kosten hin. Hintergrund:

Von Florian Oel

Berlin > Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zu der sogenannten CCS-Technologie („Carbon Capture and Storage“) beschlossen. Damit soll künftig Kohlenstoffdioxid (CO2) aus Kohlekraftwerken unterirdisch eingelagert werden, um das Klima zu entlasten. Die Technik wird von Befürwortern als klimafreundlich gepriesen, Kritiker weisen aber auf Risiken und hohe Kosten hin.

Wie funktioniert CCS?

Bei der CCS-Technologie wird Kohlenstoffdioxid aus den Abgasen etwa von Kohlekraftwerken herausgefiltert, transportiert und dann unterirdisch eingelagert. Dafür wird das CO2 aufgefangen, unter Druck verflüssigt und per Pipeline, Lkw oder Schiff weitertransportiert. Als Speicher kommen erschöpfte Erdgasfelder oder tiefliegende poröse Gesteinsschichten in Frage. Geeignete Formationen finden sich unter anderem in Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Ist die CCS-Methode schon im Einsatz?

Die CCS-Technologie wird kommerziell bereits bei der Erdöl- und Erdgasförderung genutzt. Der routinemäßige Einsatz zur CO2-Abscheidung in Großkraftwerken aber ist noch reine Zukunftsmusik. Es gibt bislang nur in Brandenburg eine Pilotanlage, in der Teilverfahren in kleinem Maßstab erprobt werden: Seit 2008 testet der Energiekonzern Vattenfall dort die CO2-Abtrennung im seinem Demonstrationskraftwerk „Schwarze Pumpe“. In den nächsten Jahren will der Konzern ein größeres Testkraftwerk bauen. In Ketzin wird testweise CO2 in wasserführenden tiefen Gesteinsschichten gespeichert.

Was sind die Chancen von CCS?

Industrie und Bundesregierung sehen CCS als wichtige Brückentechnologie auf dem Weg in ein Zeitalter regenerativer Energienutzung. Mit ihr lasse sich der CO2-Ausstoß von Kohlekraftwerken verringern, die trotz ihrer Klimaschädlichkeit noch lange für die Stromerzeugung unentbehrlich seien. Zudem hofft Deutschland darauf, die Technologie in Entwicklungs- und Schwellenländer exportieren zu können, die wahrscheinlich noch viel länger auf fossile Energien setzen werden.

Was sind die Gefahren und Nachteile der unterirdischen CO2-Einlagerung?

Kritiker monieren, die Lagerstätten könnten sich als nicht dicht erweisen, das CO2 wieder austreten. Im günstigsten Fall dürfte sich dieses zwar einfach in der Atmosphäre verflüchtigen – dann ist der Klimaschutz-Effekt aber dahin. Auch sei das Verhalten von CO2 in der Erde noch nicht hinreichend erforscht. So könne das CO2 im Boden das Grundwasser versalzen und das Einpressen unter Druck Erdbeben verursachen. Wirtschaftsforscher halten die aufwendige Technik zudem für sehr teuer und deshalb kaum lohnend.

Wie soll die Sicherheit der Lagerstätten garantiert werden?

Laut Bundesregierung ist die Langzeit-Sicherheit der CO2-Speicher „zentraler Maßstab“ für ihre Zulassung. Die Betreiber müssen sich von den ersten Schritten an durch eine sogenannte Deckungsvorsorge finanziell für den Fall von Schäden absichern. 30 Jahre nach Ende des Betriebs übertragen die Betreiberfirmen die Lagerstätten an den Staat – müssen aber auch dabei die Langzeit-Sicherheit nachweisen, damit der Staat keine ungeklärten Risiken übernimmt.

Wie können Bundesländer CO2-Speicher auf ihrem Gebiet verhindern?

Einige Bundesländer wehren sich drastisch gegen die CO2-Speicherung – unter anderem Schleswig-Holstein, dessen Untergrund als mögliche Lagerstätte für das Klimagas gilt. Den Ländern wird nun ein Vetorecht gegen CCS eingeräumt. Sie können entweder festlegen, wo die Technologie eingesetzt werden darf oder wo kein CO2 eingelagert werden darf. Dabei sind sie an „fachliche Kriterien“ gebunden, etwa die geologischen Besonderheiten der Gebiete. Die Grünen in Schleswig-Holstein etwa kritisieren, dadurch werde das Veto wieder ausgehebelt.

Kommentar

  • Bezüglich „Was sind die Chancen von CCS?“:

    Es stellt sich die Frage, warum sich niemand innerhalb der Bundesregierung oder der Bevölkerung an der Bezeichnung „Brückentechnologie“ für CCS stört. Insbesondere angesichts der aktuellen Atomdebatte erscheint es mehr als fragwürdig ob es sich lohnt in eine weitere Brückentechnologie zu investieren, deren Spätfolgen und -kosten wohl ebenso schwer zu prognostizieren und kalkulieren sind wie die der Atomenergie. Zudem ist es keineswegs so, wie man der Kommunikation über CCS manchmal entnehmen könnte, dass hierbei der CO2-Ausstoß von Kohlekraftwerken reduziert wird. CCS ist meinem Verständnis nach eine klassische additive Umweltschutztechnologie. Es geht somit eben nicht um eine Reduktion des CO2-Ausstoßes sondern um die Frage was mit dem (in gleichem Umfang) anfallenden CO2 passiert. Es mutet schon fast als naiv an, zu sagen, dass man es ja unter die Erde (anstatt in die Luft) leiten könnte. Meiner Ansicht nach, sollten Investitionen in Maßnahmen des präventiven Umweltschutzes (z.B. Effizienzverbesserungen) verstärkt werden. Dies würde einen weitaus größeren Schritt in Richtung nachhaltiger Entwicklung sein als es eine reaktive Technologie wie CCS darstellt. Es gilt zu hoffen, dass nicht durch den momentan herrschenden politischen Aktionismus falsche Rahmenbedinungen für dringend benötigte Investitionen geschaffen werden.

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