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ThyssenKrupp-Chef in Italien zu mehr als 16 Jahren Haft verurteilt

Wegen des Todes von sieben Arbeitern bei einem Brand in einem ThyssenKrupp-Werk in Turin ist der deutsche Italien-Chef des Stahlkonzerns zu sechzehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Staatsanwalt Raffaele Guariniello lobte den „größten Sprung, den die Jurisprudenz jemals im Zusammenhang mit Arbeitsunfällen gemacht hat“. Arbeitsminister Maurizio Sacconi sprach von einem „wichtigen Präzedenzfall“.

Rom > Wegen des Todes von sieben Arbeitern bei einem Brand in einem ThyssenKrupp-Werk in Turin ist der Italien-Chef des deutschen Stahlkonzerns zu sechzehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht verurteilte den Deutschen Harald Espenhahn am Freitag wegen vorsätzlicher Tötung. Vier weitere Manager des Unternehmens wurden wegen fahrlässiger Tötung zu dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilt, ein weiterer Manager zu zehn Jahren.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem aus Essen stammenden, 45 Jahre alten Espenhahn in einem Präzedenzfall vorsätzliche Tötung vorgeworfen, seinen fünf Mitangeklagten warf die Anklage fahrlässige Tötung vor. Es war das erste Mal, dass ein Manager nach einem Arbeitsunfall in Italien wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt wurde. ThyssenKrupp wurde zu einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt. Der Prozess hatte im Januar 2009 begonnen.

Am 6. Dezember 2007 hatte sich in dem Turiner ThyssenKrupp-Werk eine Explosion ereignet, auf die ein Brand folgte. Die sieben Arbeiter starben durch schwere Verbrennungen. Nach Aussage von Zeugen waren die Feuerlöscher leer. Auch das Notruftelefon funktionierte demnach nicht. Sechs der Opfer rangen bis zu drei Wochen lang mit dem Tod. Im März 2008 wurde das Werk geschlossen. Es war der schwerste Arbeitsunfall, den Italien je erlebt hatte. Das Unglück hatte das Land stark bewegt.

Die Familien der Opfer werfen ThyssenKrupp vor, nach der Entscheidung über die bevorstehende Schließung des Turiner Werks notwendige Reparaturen unterlassen und damit einen Unfall herbeigeführt zu haben. Auch die Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten vor, das Risiko eines Brandes „bewusst in Kauf genommen“ zu haben. Einer der Verteidiger hatte den Prozess dagegen als „politisch motiviert“ kritisiert. Es gab zahlreiche Nebenkläger: 48 Arbeiter, Gewerkschaften und Vereine sowie die Stadt und die Region Piemont, in der Turin liegt.

In einer in Italien veröffentlichten Reaktion nannte ThyssenKrupp das Urteil „unverständlich und unerklärlich“. Die Anwälte des Essener Unternehmens sollen demnach das weitere Vorgehen prüfen.

Staatsanwalt Raffaele Guariniello lobte dagegen nach der Urteilsverkündung den „größten Sprung, den die Jurisprudenz jemals im Zusammenhang mit Arbeitsunfällen (in Italien) gemacht hat“. Arbeitsminister Maurizio Sacconi sprach von einem „wichtigen Präzedenzfall“. Das Urteil zeige, dass für einen solchen Fall angemessene Sanktionsmöglichkeiten zur Verfügung stünden. Der Oppositionspolitiker Maurizio Zipponi nannte das Urteil einen „Lichtschein der Justiz in der von der Regierung Berlusconi geschaffenen Finsternis“.

Der einzige Überlebende des Unfalls, Antonio Boccuzzi, brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. „Der, der irrte, hat bezahlt“, sagte Boccuzzi, der seit 2008 für die oppositionelle Demokratische Partei im Parlament sitzt.