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Mit Tumor und Teerlunge gegen Tabaksucht

Das zerstörte Gebiss eines Rauchers ist noch eines der harmloseren Bilder, die ab Mittwoch alle französischen Zigarettenschachteln zieren. Daneben hat die Regierung 13 weitere Fotos zur Abschreckung ausgesucht: Den Fuß eines Toten, eine verklebte, braune Teerlunge, eine junge Frau mit einem leeren Kinderwagen. Jetzt werden die Gruselfotos zur Pflicht.

Von Christine Courcol

Paris > Das zerstörte Gebiss eines Rauchers ist noch eines der harmloseren Bilder, die ab Mittwoch alle französischen Zigarettenschachteln zieren. Daneben hat die Regierung 13 weitere Fotos zur Abschreckung ausgesucht: Den Fuß eines Toten, eine verklebte, braune Teerlunge, eine junge Frau mit einem leeren Kinderwagen – weil Rauchen ja nicht nur zu einem „langsamen und schmerzhaften Tod“ führen kann, wie auf manchen Schachteln zu lesen ist, sondern auch zu Unfruchtbarkeit. Ein Jahr lang durften die Hersteller noch ihre alten Schachteln verkaufen, jetzt werden die Gruselfotos zur Pflicht.

„Raucher sterben vorzeitig“, „Rauchen löst Krebs aus“, „Rauchen in der Schwangerschaft schadet der Gesundheit ihres Kindes“ und ähnliche Warnungen werden wie schon bislang auf der Schachtel stehen, unter beziehungsweise neben den Schockfotos. Mehr als ein Drittel der Rückseite nehmen die Bilder ein, die vor allem junge Leute davon abhalten sollen, mit dem Rauchen überhaupt erst anzufangen. Zusammen mit dem Text und der Telefonnummer der staatlichen Aufklärungsstelle Tabac Info Service machen sie 40 Prozent der Fläche aus.

Eine Enttäuschung für Nichtraucherverbände, die vergeblich dafür gekämpft hatten, dass die Gruselfotos noch größer auf die Schachteln gedruckt werden. In Uruguay etwa nehmen die Bilder 85 Prozent der Fläche ein, und zwar auf beiden Seiten, wie Yves Martinet vom Bündnis gegen Tabak sagt. Zumindest auf der Vorderseite sollten die abschreckenden Bilder zu sehen sein, monieren die Nichtraucher – sonst sieht sie ja niemand, wenn die Schachteln beim Tabakhändler im Regal stehen.

Frankreich ist nicht das erste Land, das solche Schockfotos gegen die Tabaksucht einsetzt. In Europa sind sie etwa in Großbritannien, Irland und Rumänien schon seit längerem Pflicht, als erstes führte sie Belgien ein. Weltweit war Kanada schon vor elf Jahren der Vorreiter. Unklar ist, ob die Abschreckung funktioniert. Bis heute gebe es keine einzige Studie, die die Wirksamkeit solcher Fotos belege, meint die französische Tochterfirma der British American Tobacco (BAT), die unter anderem die Marken Lucky Strike und Benson herstellt.

Das kanadische Gesundheitsministerium behauptete seinerzeit, die Warnung vor dem Rauchen sei sechzigmal wirksamer, wenn ein Foto dabeistehe. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bringen bebilderte Warnungen wohl keinen süchtigen Raucher von der Zigarette ab – für Kinder können die Bilder allerdings durchaus abschreckend sein. Australien denkt derweil über eine gesetzlich vorgeschriebene langweilige Einheitsschachtel für alle Zigaretten nach, auf die nur noch der Name der Marke gedruckt ist – auch so könne das Rauchen unattraktiver werden, meint man „Down Under“.

Zu den Befürwortern der Bildkampagne gehört der Pariser Lungenfacharzt Bertrand Dautzenberg, der seit Jahren gegen die Macht der Lobbyisten kämpft. 13,5 der gut sechzig Millionen Franzosen rauchen, jedes Jahr sterben in Frankreich rund 60.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. „Tabak macht 28 Prozent des Umsatzes der Tabakläden aus, die Hälfte des Umsatzes der Lungenfachärzte und acht Prozent des Umsatzes der Totengräber“, rechnet der Arzt vor. „Das ist kein Grund, nichts dagegen zu tun“.

Im Internet sind die Bilder zu sehen auf der Seite des Gesundheitsministeriums.

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