Nachrichten

Verbraucherschützer gehen gegen Vertriebspraxis in Finanzbranche vor

Mit einer neuen „Initiative Finanzmarktwächter“ gehen Verbraucherschützer gegen Missstände in der Finanzbranche vor. Im Mittelpunkt stünden unfaire Vertriebsmethoden und Warnungen vor ineffizienten Produkten. Als Erstes nehmen die Verbraucherschützer Provisionen ins Visier, die Banken beim Verkauf von Finanzprodukten erhalten.

Berlin > Mit einer neuen „Initiative Finanzmarktwächter“ gehen Verbraucherschützer gegen Missstände in der Finanzbranche vor. Im Mittelpunkt stünden unfaire Vertriebsmethoden und Warnungen vor ineffizienten Produkten, sagte der Präsident des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Gerd Billen, am Mittwoch in Berlin. Als Erstes nehmen die Verbraucherschützer Provisionen ins Visier, die Banken beim Verkauf von Finanzprodukten erhalten.

Auch nach der Finanzkrise würden Verbraucher weiterhin häufig falsch beraten und ihnen „Produkte verkauft, die gar nicht zu ihrer Lebenssituation passen“, kritisierte Billen. Er drängte daher vor allem auf mehr Transparenz bei Provisionen. Dahinter steht der Verdacht, dass viele Bankberater vor allem Finanzprodukte empfehlen, an denen das Geldinstitut viel verdient, auch wenn dies nicht den Interessen des Kunden entspricht. Billen drängte daher auf „klare Preistransparenz“ bei Provisionen.

Die 16 Verbraucherzentralen der Länder und der Bundesverband riefen Bankkunden im Rahmen ihrer auf ein Jahr angelegten gemeinsamen Initiative auf, mit Hilfe von Musterbriefen, die der vzbv bereitstellt, von ihrer Bank eine Offenlegung erhaltener Provisionen zu verlangen. „Nur so können die Kunden einschätzen, wie groß das Eigeninteresse ihrer Bank an einer konkreten Anlageempfehlung ist“, teilte der vzbv dazu mit.

Der Bundesgerichtshof hat einen Anspruch auf Offenlegung solcher Provisionen bestätigt. Laut vzbv versuchen einige Banken jedoch immer noch, sich dieser Verpflichtung zu entziehen oder Anfragen mit pauschalen oder wenig aussagekräftigen Auskünften abzuwehren. In Einzelfällen würden sogar Gebühren für solche Pflichtangaben verlangt.

Strittig ist noch, ob Kunden auch die Auszahlung von Provisionen verlangen können. Der Verbraucherzentrale Bundesverband vertritt, gestützt auch auf eine allerdings noch nicht rechtskräftige Gerichtsentscheidung, die Auffassung, dass Banken Vorteile durch Provisionen grundsätzlich an ihre Kunden weiterleiten müssen. Die Banken erkennen einen solchen Anspruch in der Regel nicht an. Die vzbv-Finanzexpertin Dorothea Mohn rief alle Kunden auf, keinesfalls diesbezügliche Verzichtserklärungen zu unterzeichnen, wie es etwa die Deutsche Bank verlange.

In weiteren Phasen ihrer „Initiative Finanzmarktwächter“ wollen die Verbraucherschützer in den kommenden Monaten auch gegen aus ihrer Sicht überhöhte Dispozinsen sowie gegen Missstände bei Beratungsprotokollen und bei Finanzprodukten zur Altersvorsorge vorgehen. Billen warb dabei um die Mitarbeit der Bürger. Da die Verbraucherschutzzentralen aufgrund ihrer begrenzten Mittel keine flächendeckende Marktbeobachtung betreiben könnten, seien sie auf Rückmeldungen der Verbraucher angewiesen. Diese würden dann ausgewertet und könnten auch als Grundlage für Musterklagen dienen.