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Wirtschaftswissenschaftler: Gläubigkeit nützt der Volkswirtschaft

Kurz vor Karfreitag und Ostern ist eine Diskussion über die Bedeutung christlicher Traditionen für die Gesellschaft entbrannt. Wie die in diesen Traditionen zum Ausdruck kommenden religiösen Überzeugungen die Volkswirtschaft fördern, darüber haben Wirtschaftswissenschaftler bei einer Tagung diskutiert. Eine Erkenntnis: Gläubige leben länger.

Gießen > Kurz vor Karfreitag und Ostern ist eine Diskussion über die Bedeutung christlicher Traditionen für die Gesellschaft entbrannt. Auslöser waren politische Forderungen nach einer Lockerung der Karfreitagsruhe, die sowohl engagierte Befürworter als auch Gegner fanden. Das die in diesen Traditionen zum Ausdruck kommenden religiösen Überzeugungen die Volkswirtschaft fördern, darauf haben Wirtschaftswissenschaftler bei einer Tagung in Gießen hingewiesen.

Gläubigkeit erhält gesund

„Tiefe Gläubigkeit führt statistisch betrachtet zu einer Verlängerung der Lebenserwartung um sieben Jahre“, sagte der Volkswirtschaftler Prof. Karl Farmer (Graz) am 11. März auf dem Forum Christlicher Wirtschaftswissenschaftler. „Anders ausgedrückt: Gottlosigkeit verkürzt die Lebenserwartung genauso, wie wenn jemand über 40 Jahre jeden Tag eine Packung Zigaretten raucht.“ Wissenschaftliche Studien belegten, dass der Glaube nicht nur zu einer besseren körperlichen und seelischen Gesundheit und damit zu Einsparungen im Gesundheitswesen beitrage. Er fördere auch Ehrlichkeit und den Schutz des Eigentums und verringere damit Korruption, Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Und er stärke Eltern in den Bemühungen um eine gute Bildung und Zukunftsgestaltung ihrer Kinder. Farmer: „Das ist mit ein Grund, warum christlicher Glaube auch in einer überwiegend säkularisierten Gesellschaft langfristig Bestand hat.“ Die Kirchengeschichte zeige aber auch, dass diese wirtschaftliche Blüte mit der Zeit die Zielstrebigkeit des Glaubens lähmen könne.

Glaubende betrachten das „Leben als Aufgabe“

Der Politikwissenschaftler und Buchautor Andreas Püttmann (Bonn) sagte unter Bezug auf eine Allensbach-Umfrage, kirchennahe Menschen betrachteten das Leben im Vergleich zu kirchenfernen und konfessionslosen häufiger „als eine Aufgabe, für die ich alle Kräfte einsetze, auch wenn das oft schwer und mühsam ist“. Atheisten und Agnostiker neigten eher zu der Devise, „das Leben zu genießen und sich nicht mehr abzumühen als nötig“. Kirchennahe Christen zeichneten sich häufiger durch Leistungsbereitschaft, Bildungsfreundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsübernahme aus, während bei glaubensdistanzierten Menschen Materialismus, Erlebnishunger und Hedonismus ausgeprägter seien. Die Werteprioritäten der gläubigen Kirchennahen hätten positive wirtschaftliche Auswirkungen: Sparsamkeit fördere die Zukunftsvorsorge und Reinvestitionen, Selbstdisziplin das Arbeitsethos, Respekt vor der Person das Betriebsklima und Initiativbereitschaft die Aufstiegschancen. Wer auf ein ewiges Leben hoffen könne, gewinne auch an Gelassenheit in der Bewältigung von Lebenskrisen, sagte Püttmann. Das zweite Arbeitstreffen des Forum Christlicher Wirtschaftswissenschaftler fand am Institut für Ethik & Werte (Gießen) statt und stand unter dem Thema „Wirtschaftliche Wirkungen des Glaubens“.

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