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Kirchen fordern Menschen an Ostern zu Umdenken auf

Die Kirchen haben die Deutschen an Ostern zu einem neuen Lebensstil aufgerufen. Die Menschen hierzulande müssten nachhaltiger und solidarischer leben, forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Der Ratsvorsitzende der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, forderte die Bürger auf, Ökostrom zu beziehen, um die Energiewende zu forcieren.

Berlin > Die Kirchen haben die Deutschen an Ostern zu einem neuen Lebensstil aufgerufen. Die Menschen hierzulande müssten nachhaltiger und solidarischer leben, forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in seiner Predigt am Ostersonntag. Der Ratsvorsitzende der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, forderte die Bürger auf, Ökostrom zu beziehen, um die Energiewende zu forcieren.

Der Freiburger Erzbischof Zollitsch sagte, die Botschaft von der Auferstehung Christi gebe den Menschen einen neuen Blick „für die Mitmenschen und die Aufgaben und Herausforderungen, vor denen wir als Gesellschaft stehen“. „Wir wissen alle, dass wir in Deutschland und ganz Westeuropa über unsere Verhältnisse leben – auf Kosten der kommenden Generationen und der Ärmsten der Armen dieser Erde“, sagte Zollitsch.

Der Erzbischof kritisierte, der Wohlstand in Deutschland sei zwar seit dem Zweiten Weltkrieg enorm gewachsen, die Zufriedenheit aber nicht in gleichem Maß. Dies sei der Fixierung auf materielle Werte geschuldet. Zudem beklagte Zollitsch eine „Haltung des Murrens“, die „jede Dynamik, jedes Engagement von innen heraus aushöhlt und zerstört“.

Der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, beklagte zudem, die Menschen gingen mit ihren Mitmenschen mittlerweile genauso um wie mit Gebrauchsgegenständen: „Am Ende machen wir es tatsächlich auch so mit Menschen, nicht nur mit Autos und Kleidern. Wir tauschen einfach aus“, sagte er in seiner Predigt am Ostersonntag. Menschen würden so „Ersatz- und Versatzstücke“. Dies entspringe dem „unersättlichen Hunger, wir könnten etwas versäumen, wir müssten auf etwas verzichten, das uns fehlen könnte“.

Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider forderte die Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur auf. „Eine spürbare Änderung des Lebensstils besonders in unseren reichen Ländern ist unvermeidbar, denn die Ressourcen der Erde sind begrenzt“, sagte er in seiner Osterbotschaft. Mit Blick auf die Atomkatastrophe in Japan betonte er die Notwendigkeit, „für ein nachhaltiges Leben einzutreten“.

Schneider begrüßte es, „dass auch in unserem Land nun umgedacht wird in Sachen Zukunft der Energieversorgung“. Die Menschen müssten aber „ein anderes Leben führen“, wenn sie es mit dem Ausstieg aus der Atomkraft ernst meinten. In einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ (Samstagsausgabe) forderte der Protestant die Bürger auf, Ökostrom zu beziehen, um den Atomausstieg schnell voranzutreiben. Dieser könne zudem durch Stromsparen beschleunigt werden. „Wir haben hier noch riesiges Potenzial“, sagte er. „Die Politik kann ihre Förderinstrumente anwenden, um dieses Potenzial auszuschöpfen.“

Schneiders Amtsvorgängerin Margot Käßmann warf der schwarz-gelben Bundesregierung Überheblichkeit und Machbarkeitswahn vor. Die Verlängerung der Akw-Laufzeiten sei „der Irrglaube des Menschen gewesen, er könne alles beherrschen“, sagte Käßmann der „Frankfurter Rundschau“ vom Samstag. Für sie selbst sei die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 „der klare Imperativ zum Ausstieg“ aus der Atomkraft gewesen.

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