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Fair Trade: Raus aus der Nische

Bei Schokolade wird die Problematik des gloablisierten Handels besonders deutlich. Ihr Rohstoff ist die Kakaobohne. Die westafrikanischen Staaten dominieren den Anbau. Der Preis je Tonne Kakao hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Bei den Bauern kommt davon wenig an, sie arbeiten meist zu Hungerlöhnen.

Köln > Ostern ist vorbei, in den Supermärkten werden die Schokohasen aus den Regalen geräumt und machen Platz für neue Waren. Fair gehandelte Schokolade spielt im Ostergeschäft der Einzelhändler noch eine untergeordnete Rolle, insgesamt ist ihr Anteil in den letzten Jahren aber deutlich gestiegen. Etwa 1000 Tonnen fair gehandelte Schokolade wurden 2010 in Deutschland verkauft, in diesem Jahr soll der Absatz erneut deutlich zulegen. Gemessen am Gesamtvolumen in Deutschland verkaufter Schokolade, immer noch ein verschwindend geringer Anteil. Alleine im Ostergeschäft gingen mehr als 17.000 Tonnen Schokolade über die Ladentheken.

Schokolade gehört zu den Paradebeispielen des fairen Handels, die Problematik des gloablisierten Handels wird besonders deutlich. Rohstoff für Schokolade ist die Kakaobohne. Die westafrikanischen Staaten dominieren den Anbau, rund 80 Prozent des weltweit exportierten Kakaos stammen aus nur fünf Ländern. Seit den 80er-Jahren hat sich die weltweite Ernte nahezu verdoppelt, die Preise dagegen unterlagen starken Schwankungen. Während Kakao über viele Jahre immer billiger wurde, hat sich der Preis je Tonne in den letzten Jahren wieder vervielfacht. Gründe sind neben hoher Nachfrage und langfristigen Lieferverträgen vor allem Spekulanten an den Warenterminbörsen. Bei den Bauern kommt davon wenig an, sie arbeiten meist zu Hungerlöhnen. Nicht selten werden mit den Geldern aus dem Export Kriege gegen das eigene Volk finanziert.

Der faire Handel mit Produkten hört aber bei der Schokolade nicht auf. Das Angebot umfasst nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens. Der gemeinnützige Verein Transfair gibt in der nächsten Woche aktuelle Zahlen für das Geschäftsjahr 2010 bekannt. Ein durchschnittliches Umsatzplus von 20 Prozent wird erwartet. Mittlerweile verzichtet keine der großen Handelsketten auf fair gehandelte Produkte im Sortiment. Dennoch gibt es noch Nachholbedarf, in Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz liegt der Anteil fairer Produkte am Gesamthandelsvolumen deutlich höher. Neben sozialen Aspekten werden zunehmend auch ökologische Aspekte beim Lebensmitteleinkauf berücksichtigt. Zwar gibt es in Deutschland bislang keine Pflicht den CO2-Verbrauch bei der Produktion auf Lebensmittelverpackungen zu veröffentlichen, dennoch steigt das Bewußtsein der Verbraucher. Der Rat für nachhaltige Entwicklung hat seinen „Nachhaltigen Warenkorb“ jüngst aktualisiert und angepasst.

Informationen zu weltweiten Kakohandel bietet das Südwind-Institut.
Der Verein Transfair bietet auf seiner Website weitere Informationen zum fairen Handel.
Den Einkaufsführer zum „Nachhaltigen Warenkorb“ gibt es hier zum Download.