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Industriestaaten lagern CO2-Ausstoß in Entwicklungsländer aus

Industrieländer haben einen wachsenden Teil ihres CO2-Ausstoßes im Zuge der Globalisierung an Entwicklungsländer ausgelagert und unterlaufen damit ihre eigenen klimapolitischen Ziele. Die wachsende Nachfrage der Industriestaaten nach Waren aus ärmeren Ländern ließ deren CO2-Emissionen zwischen 1990 und 2008 massiv steigen und machte damit zeitgleiche CO2-Einsparungen etwa in Europa wieder zunichte.

Berlin > Industrieländer haben einen wachsenden Teil ihres CO2-Ausstoßes im Zuge der Globalisierung an Entwicklungsländer ausgelagert und unterlaufen damit ihre eigenen klimapolitischen Ziele. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag vorgestellte Untersuchung eines internationalen Wissenschaftlerteams, zu dem auch Forscher der Technischen Universität (TU) Berlin und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) gehörten. Demnach ließ die wachsende Nachfrage der Industriestaaten nach Waren aus ärmeren Ländern deren CO2-Emissionen zwischen 1990 und 2008 massiv steigen und machte damit zeitgleiche CO2-Einsparungen etwa in Europa wieder zunichte.

Nach Angaben der Autoren entstand durch die Produktion von Konsumgütern in Entwicklungsländern bis 2008 fünfmal mehr von dem Treibhausgas CO2, als in den Industrieländern durch Klimaschutzprogramme bis dahin eingespart wurde. „Wer ein Radio oder eine Hose in Deutschland kauft, verursacht CO2-Emissionen im Herstellungsland, weil die Fertigung nun einmal Energie verbraucht“, erklärte Mitautor Jan Christoph Minx, Klimaökonom der TU Berlin, am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung der Studie in der angesehenen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Wenn Industrieländer ihren Konsum von Gütern etwa aus China oder Bangladesch steigerten, erhöhten sie ihren CO2-Ausstoß – auch wenn dieser dabei nicht im eigenen Land anfalle. „Wir begrenzen Emissionen bei uns, verursachen aber zugleich mehr CO2-Ausstoß in Regionen ohne Klimaschutzziele“, erläuterte Minx.

Das Kyoto-Protokoll zur Begrenzung des Temperaturanstiegs in der Atmosphäre sieht keine Vorgaben für ärmere Länder vor, um deren Entwicklungsmöglichkeiten nicht einzuschränken. Unabhängig davon aber hat die Globalisierung in den vergangenen Jahren zur Produktionsverlagerung in die Entwicklungsländer geführt, von wo die Waren anschließend in die Industriestaaten exportiert werden. Als Folge wanderten CO2-Emissionen, die eigentlich den Bewohnern reicher Länder zuzuordnen sind, hinterher.

Die deutschen Forscher und ihre internationalen Kollegen haben diesen Trend nach eigenen Angaben nun erstmals umfassend dargestellt, indem sie für ihre Studie die Emissionsverlagerung in 95 Staaten und 57 Wirtschaftsbranchen für 19 Jahre nachzeichneten. Bislang habe es derartige Untersuchungen nur für einzelne Jahre gegeben, erklärten die TU Berlin und das PIK in Potsdam dazu.

Ziel der Experten ist nach eigenen Angaben, auf Konstruktionsschwächen im globalen Vertragswerk zur CO2-Reduktion hinzuweisen. Die im Kyoto-Protokoll festgelegte Regel, wonach Emissionen dem Land zugeordnet werden, in dem sie entstehen, müsse angesichts des globalisierten Handels- und Wirtschaftssystems ergänzt werden. Die Industrieländer müssten auch den CO2-Ausstoß erwähnen, der durch ihre Importe aus anderen Ländern entstehe, empfehlen die Klimaforscher. Nationale oder regionale Klimaschutzziele, etwa in der EU, machten sonst keinen Sinn.