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Handel: Mitarbeiter sind die wichtigsten Multiplikatoren – das muss Schlecker lernen

Mit dem Werbeslogan „For You. Vor Ort“ will die Drogerie-Kette Schlecker ihr Unternehmensimage verbessern. Gleichzeitig dringen Informationen an die Öffentlichkeit, nach denen die Drogerie-Kette Listen über missliebige Mitarbeiter führt – mit dem Ziel, diese schnellstmöglich loszuwerden. Das passt nicht zusammen: Die wichtigsten Zeugen für ein glaubwürdiges Handelsunternehmen sind die eigenen Mitarbeiter.

Ehingen > Mit dem Werbeslogan „For You. Vor Ort“ will die Drogerie-Kette Schlecker ihr Unternehmensimage verbessern. „Schlecker startet erstmals eine Kampagne, die nicht rein auf den Abverkauf, sondern auch auf die Unternehmensmarke und deren Wahrnehmung einzahlt“, sagte Marketingleiter Volker Schurr gegenüber der Fachzeitung HORIZONT (Frankfurt am Main). Die Kampagne soll vorwiegend über das Fernsehen laufen und in den Köpfen der Verbraucher ein völlig neues Bild von Schlecker entstehen lassen. „Wir werden humorvoll vermitteln, dass Schlecker ein sympathischer Nahversorger ist – eine Art guter Nachbar, der seine Sortimentsbreite durch kleine Geschichten und mit einem Augenzwinkern vorstellt“, kündigt Schurr an. Der Kampagne droht ein Fehlstart, und das hat mit neuen Veröffentlichungen zum Umgang des Handelsunternehmens mit seinen Mitarbeitern zu tun:

Schlecker führt nach „Spiegel“-Informationen Listen über missliebige Mitarbeiter mit dem Ziel, diese schnellstmöglich loszuwerden. Schlecker arbeite nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi trotz Bemühungen um ein besseres Image nach wie vor eine Art Kündigungsliste von Beschäftigten ab, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Personaldirektor Michael Strisciulli habe die Liste bereits im Oktober 2009 verfassen lassen. Das Papier unter dem Titel „Maßnahmenpaket Personal-Qualität“ ist dem Bericht zufolge 20 Seiten lang und sammelt die Namen von Dutzenden ebenso langjährigen wie missliebigen Mitarbeiterinnen im gesamten Bundesgebiet. Manche waren im Betriebsrat, fast alle hatten hohe Gehaltsstufen erreicht und waren entsprechend teuer geworden für Schlecker.

Diese Beschäftigten würden „in der Optik stehen“, zitierte das Magazin aus der Mail einer „Schlecker“-Managerin. Das bedeute vermutlich, dass die Namen auf Strisciullis Liste unter verschärfter Beobachtung stünden. Schlecker erklärte zu den mit Datumsangaben versehenen Namenslisten gegenüber dem „Spiegel“, es sei bei den Auflistungen sowohl um die „verbesserte Performance“ von Mitarbeiterinnen als auch um „leistungsbedingte Abmahnungen“ gegangen. Übertriebene Härten sollten jetzt aber „korrigiert“ werden, heiße es in dem Bericht.

Der Slogan „For You. Vor Ort“ und solche Mitarbeiter-Listen passen nicht zusammen. Gerade im Handel sind Mitarbeiter die wichtigsten Zeugen für eine nachhaltige Unternehmensführung. Mehr als dem Fernsehen vertrauen Menschen auf die Nachrichten aus ihrer Nachbarschaft und ihren sozialen Netzwerken. Fernsehwerbung ist „rausgeschmissenes Geld“, wenn sie dem entgegenläuft, was sich die Menschen auf der Straße und im Web 2.0 erzählen. Das wird Schlecker lernen müssen. Der Hauptkonkurrent dm macht es bereits seit Jahren vor – durch einen vorbildlichen Umgang mit der eigenen Belegschaft, kreativ und glaubwürdig.