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Transparenz entlang der Lieferkette: Freiwilligkeit oder Verpflichtung?

Unternehmen sollen verpflichtet werden, ihre soziale und ökologische Unternehmenspraxis genauso wie ihre Lobbyaktivitäten und ihren Umgang mit Korruption offenzulegen. Mit diesem Ziel hat ein Bündnis aus der Supermarktinitiative und dem Netzwerk CorA eine Transparenzkampagne gestartet. Entscheidenden Veränderungen erwartet das Bündnis aus Brüssel, wo ein entsprechendes Gesetzesvorhaben angekündigt wurde.

Berlin > Freiwillige Bekenntnisse und Selbstverpflichtungen reichen nicht aus: Unternehmen sollen verpflichtet werden, ihre soziale und ökologische Unternehmenspraxis genauso wie ihre Lobbyaktivitäten und ihren Umgang mit Korruption offenzulegen. Mit diesem Ziel hat ein Bündnis aus der Supermarktinitiative und dem Netzwerk CorA eine Transparenzkampagne gestartet. Den Auftakt bildete eine an Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichtete Unterschriftenaktion, in der diese Offenlegung gefordert wird. „Im Hinblick auf gesetzliche Offenlegungspflichten für Unternehmen muss Deutschland im internationalen Vergleich bisher leider als Nachzügler angesehen werden. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Norwegen und Schweden bestehen bereits weitergehende Regelungen“, sagt Volkmar Lübke, Koordinator von CorA. Die entscheidenden Veränderungen erwartet das Bündnis deshalb aus Brüssel, wo vor wenigen Tagen ein entsprechendes Gesetzesvorhaben für Ende des Jahres angekündigt wurde. „Noch wissen wir zwar nicht, wie gehaltvoll diese Vorlage werden wird, die zudem bislang nur für börsennotierte Unternehmen vorgesehen ist. Aber wir halten es für bezeichnend, dass wieder einmal Brüssel tätig werden muss, um die Bundesregierung zum Handeln zu bewegen“, so Volkmar Lübke.

Die Initiatoren sehen eine starke Diskrepanz zwischen den Verlautbarungen der Hochglanzbroschüren und der unternehmerischen Realität; bei Discountern ebenso wie bei Markenanbietern. Die geforderten Publiziätspflichten sollen entlang der gesamten Liefer-, und Produktionskette gelten und nicht nur zentrale Informationen umfassen. Franziska Humbert, Referentin für soziale Unternehmensverantwortung bei der zum Bündnis gehörenden Organisation Oxfam Deutschland, erklärte: „Hungerlöhne, unbezahlte Überstunden und Umweltschäden sind keine Einzelfälle bei der Produktion von Waren, die täglich in den Regalen von Supermärkten und anderen Unternehmen angepriesen werden.“ Die Verbraucher würden aber kaum etwas davon erfahren.

Für die Transparenzkampagen haben die Organisationen Supermarktinitiative und CorA ihre Kompetenzen ergänzt. Während die Supermarktinitiative ihre Arbeitsschwerpunkte auf die ökologischen und sozialen Produktionsbedingungen legt, bringt das Netzwerk CorA zusätzliche Fachexpertise in den Bereichen Korruption, Lobbyismus und Steuerehrlichkeit ein. Im Netzwerk CorA arbeiten 49 Organisationen aus den Bereichen Menschenrechte, Verbraucherschutz, Entwicklungspolitik, Umweltschutz sowie Gewerkschaften zusammen. Gemeinsam setzten sie sich für mehr unternehmerische Verantwortung und Transparenz ein. In der Supermarktinitiative versammeln sich 24 Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft und Entwicklungspolitik um Missbrauch von Einkaufsmacht aufzudecken und zu begrenzen.

Weitere Informationen gibt es auf den Seiten des Netzwerks CorA und der Supermarktinitiative sowie der Partnerorganisation Oxfam.

Die Kampagne unterstützen kann man hier. Die Unterschriften sollen der Bundeskanzlerin überreicht werden.

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