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Werden alte Kühlschränke mangelhaft recycelt?

Nach Ansicht von Umweltschützern wird durch das mangelhafte Recycling von Kühlgeräten in Deutschland die Atmosphäre unnötig belastet. Führende Kühlgerätehersteller würden seit Jahren die gesetzlichen Vorgaben zur umweltgerechten Entsorgung umweltschädlicher Fluorchlorkohlenwasserstoffe aus Altkühlschränken unterlaufen. Der Branchenverband sieht das anders: Die durchschnittliche Rückgewinnungsquote der klimaschädlichen FCKW liege erheblich über den von der DUH verbreiteten Werten.

Berlin > Nach Ansicht von Umweltschützern wird durch das mangelhafte Recycling von Kühlgeräten in Deutschland die Atmosphäre unnötig belastet. Führende Kühlgerätehersteller würden seit Jahren die gesetzlichen Vorgaben zur umweltgerechten Entsorgung umweltschädlicher Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) aus Altkühlschränken unterlaufen, erklärte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Montag in Berlin. Nach Berechnungen der Organisation entstehen durch die unsachgemäße Entsorgung der Altgeräte allein in Deutschland vermeidbare Klimagasemissionen in Höhe von fast sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Der Branchenverband ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sieht das anders: Die durchschnittliche Rückgewinnungsquote der klimaschädlichen FCKW liege bei 81 Prozent und damit erheblich über den von der DUH verbreiteten Werten.

Zwar sind FCKW als Kälte- und Isoliermittel in Kühlgeräten bereits seit den 1990er Jahren verboten. Doch enthalten derzeit noch mehr als drei von vier der ausrangierten Haushaltskühlgeräte FCKW. Diese Gase sind bis über 10.000 Mal klimaschädlicher als CO2 und hauptverantwortlich für die Zerstörung der Ozonschicht. Die Standards schreiben daher eine Rückgewinnung von mindestens 90 Prozent der FCKW vor, die laut DUH in Deutschland jedoch nicht annähernd erreicht werden. Laut Berechnungen des Umweltverbandes auf Basis von Informationen der Landesumweltministerien und statistischen Landesämter wurden in den vergangenen Jahren in deutschen Kühlgeräterecyclinganlagen im Schnitt nur 40 bis 60 Prozent der FCKW zurückgewonnen und ordnungsgemäß entsorgt.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sprach von einem „Skandal“. Im Ergebnis würden die Hersteller auf Kosten der Umwelt jährlich 16 bis 20 Millionen Euro einsparen. Die DUH dringt daher auf die Einführung obligatorischer Stoffstrombilanzen bei der Entsorgung von Haushaltkühlgeräten und die parallele gesetzliche Festlegung von FCKW-Mindestrückgewinnungsquoten.

Nach Ansicht des Branchenverbandes der Kühlgerätehersteller ZVEI ist die Verwertung von Kältegeräten in Deutschland hingegen deutlich besser als dargestellt. Laut einer vor wenigen Tagen vorgelegten Untersuchung an fünf Verwertungsanlagen lag der FCKW-Gehalt in den heute zu entsorgenden Altgeräten fast 14 Prozent unter den Orientierungswerten des Jahres 1997, die der DUH-Berechnung zugrunde lägen. Das habe die labortechnische Analyse von Proben des Isolierschaums gezeigt.