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Kohleförderer plant Speicherkraftwerke in stillgelegten Zechen

Essen > Im Ruhrgebiet könnte ein Pumpkraftwerk zur Speicherung von Windstrom in einem stillgelegten Bergwerk entstehen. Wie die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe am Dienstag berichteten, wollen der Steinkohleförderer RAG aus Herne und die Ruhrgebiets-Universitäten Essen/Duisburg und Bochum den Bau verwirklichen. Ideen für ähnliche Projekte gibt es schon seit längerem, unter anderem in ehemaligen Bergwerken im Harz.

Die RAG will sich dem Bericht zufolge das weltweite Patent für Kraftwerke in stillgelegten Bergwerken sichern. Demnach soll am Mittwoch eine entsprechende Kooperationsvereinbarung mit den beiden Universitäten unterschrieben werden.

Mit Pumpspeicherkraftwerken kann überschüssige Energie aus Windkraftanlagen gespeichert und später abgerufen werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die Stromversorgung dauerhaft auf unregelmäßig zur Verfügung stehende erneuerbare Energiequellen wie Sonne oder Wind umzustellen. Wenn gerade viel Strom verfügbar ist, wird er verwendet, um Wasser in Speicherbecken zu pumpen. Bei Bedarf wird es abgelassen und stürzt über Rohre auf tieferliegende Turbinen, die Generatoren antreiben und wieder Strom erzeugen.

Pumpkraftwerke mit oberirdischen Stauseen sind eine technische ausgereifte Lösung, brauchen aber viel Platz und können nicht überall errichtet werden. Die Nutzung früherer Bergwerke könnte ein Ausweg aus diesem Dilemma bieten. Für Unternehmen wäre die Idee eventuell interessant, weil Strom an den Börsen je nach Nachfrage unterschiedlich bezahlt wird. Wird Energie zu Überschusszeiten billig eingekauft und später teurer eingespeist, lassen sich Gewinne erzielen.

Dem „WAZ“-Bericht zufolge könnte das RAG-Steinkohlebergwerk Auguste Victoria in Marl, das Ende 2015 zur Schließung ansteht, das erste Kraftwerk unter Tage beherbergen. Weitere mögliche Standorte seien die 2018 schließenden RAG-Zechen Ibbenbüren und Prosper Haniel. Die Idee käme ebenso für tiefe Kohleschächte in Polen oder Großbritannien in Frage. Auch frühere Kupfer- oder Erzbergwerke könnten geeignet sein. An den zwei Unis Duisburg/Essen und Bochum befassten sich ein Dutzend wissenschaftliche Arbeiten mit den Details.

Der Geotechnik-Professor Eugen Perau von der Ruhruniversität Duisburg-Essen hatte schon vor einem halben Jahr in einem Interview erläutert, wie derartige unterirdische Bergwerks-Pumpspeicherkraftwerke aussehen könnten. Demnach würden aus statischen Gründen wohl weder Zechen geflutet noch unterirdische Seen neu angelegt, sondern bestimmte Stollen und Schächte wasserdicht ausgekleidet, um sie als Rohrleitungssystem zu nutzen. Auf diese Weise lasse sich seiner Ansicht nach „eine Unmenge von Energie“ speichern, sagte der Experte. Kohlebergwerke seien nicht selten 1000 Meter tief. Entsprechend groß wäre die Wucht des auf die Turbinen stürzenden Wassers, was vorteilhaft für die Stromgewinnung ist.

Das Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) untersucht bereits seit längerem die Möglichkeiten für Pumpspeicherkraftwerke in früheren Bergwerken. In einer Studie, an der auch die Technische Universität Clausthal beteiligt war, identifizierten die Experten verschiedene geeignete Standorte in früheren Bergbauregionen – unter anderem im Harz, im Erzgebirge und im Siegerland. Der Landkreis Goslar und mehrere Gemeinden im Nordharz vereinbarten Ende April mit dem EFZN, die Planungen für ein Modellprojekt in ihrer Region voranzutreiben.