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Arbeitsverteilung neu aushandeln – Arbeitskreis Unternehmensstiftungen diskutiert 10 provokante Thesen

Der Staat hat sich überdehnt. In der Gesellschaft ist neu zu verhandeln, welcher Akteur welche Verantwortung übernimmt. Unternehmensstiftungen sind dabei nur einer von mehreren gemeinnützigen Akteuren. Dazu stellte Prof. Stephan A. Jansen, Geschäftsführer der Zeppelin University in Friedrichshafen, zehn Thesen vor.

Stuttgart > Die Welt ist sich selbst nicht mehr genug, lebt über ihre Verhältnissen und Kosten der kommenden Generation. „Wir haben zum Teil das Lachen verkauft und manche Industrienationen auch ihre Zukunft“, sagte Prof. Stephan A. Jansen, Geschäftsführer der Zeppelin University in Friedrichshafen, am 11. Mai auf dem Deutschen Stiftungstag in Stuttgart. Seine These: Der Staat hat sich überdehnt. In der Gesellschaft ist neu zu verhandeln, welcher Akteur welche Verantwortung übernimmt. Unternehmensstiftungen sind dabei nur einer von mehreren gemeinnützigen Akteuren:

  • Es gibt knapp 18.000 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts.
  • Da sind aber auch die Spender, 39% der Bevölkerung, die 2009 etwa 2,9 Mrd. Euro zusammen brachten.
  • Und 23 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich.
  • Die Sponsoringleistungen von Unternehmen sanken 2009 auf 4,4 Mrd. Euro; etwa ein Viertel der Sponsoring-Budgets würden in CSR-Abteilungen übertragen.
  • Ein hohes öffentliches Interesse finden die Sozialunternehmer (Social Entrepreneurs). Sie sind dann „echt“, wenn sie sich durch die Erfüllung ihres Unternehmenszwecks selbst überflüssig machen und auflösen.
  • Und schließlich gibt es das weite Feld der Non-Profit-Organisationen, mit neun Millionen Beschäftigten eine der größten Branchen.

Angesichts eines gleichzeitigen Staats-und Marktversagens kommen auf die Gesellschaft neue Herausforderungen zu, die nicht zwischen Markt und Staat geregelt werden können und in deren Lösung gemeinnützige Akteure eingebunden sind. Dazu ist zu klären, wo Spielregeln vereinbart werden.

In Bezug auf Unternehmensstiftungen stellte Jansen zehn Thesen vor:

Differenzierung innerhalb der Stiftungslandschaft: Die meisten Stiftungen sind zu kleinteilig, mit zu wenig Kapital und unklaren Zweckbestimmungen ausgestattet. Das lohnt sich nicht.

Non-Markets: Die sogenannten „Non-Markets“ Bildung, Wasser, Gesundheit sind die am schnellsten wachsenden Märkte überhaupt.

Beziehungsfähigkeit der Akteure der Zivilgesellschaft: Die Politik hat ihren Status als primus inter pares verloren; die Beziehungen zwischen den Akteuren der Zivilgesellschaft sind neu zu definieren.

Professionalisierung: Es bedurfte einer Professionalisierung zu einer scheinbaren Objektivierung dessen, was gefördert wird, eines „Schutzes vor Willkür und wilden Ideen“. Dennoch werden Stifter auch in Zukunft für die Verwirklichung der ihnen persönlich wichtigen Zwecke stehen.

Messbarkeit: Erfolgreich ist, wer sich selbst überflüssig macht.

Profillierungsressource: Der Lebenslauf des Geschäftsführers ist für die Förderpolitik einer Stiftung entscheidender als der Gegenstand des stiftenden Unternehmens.

Institutionelle Formfrage: Manche aktuellen institutionellen Fragen wie der Einsatz von Stiftungskapital für Social Ventures sind noch ungeklärt – auch in ihren fiskalischen Dimensionen.

Kommunikation und Transparenz: In Unternehmensstiftungen dominieren häufig die Kommunikationsabteilungen. Andererseits steht die Moralisierung der Unternehmen bei manchen Medien und Journalisten in Generalverdacht.

Governance: Die Governance-Strukturen verraten eine gefährliche Zutrauenspolitik.

Legitimität: Die Konditionierung von Förderungen gegenüber dem Staat löst spannende Prozesse aus. Die Gesellschaft braucht eine neu auszuhandelnde Arbeitsteilung.

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