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Studie: Firmen tun zu wenig für Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Deutsche Unternehmen tun zu wenig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diese Ansicht vertritt eine überwältigende Mehrheit von 84 Prozent der Deutschen, wie aus einer am Sonntag veröffentlichten Familienstudie hervorgeht. Für rund ein Fünftel der Arbeitgeber (19 Prozent) sei die Familie ausschließlich Angelegenheit der Angestellten.

Berlin > Deutsche Unternehmen tun zu wenig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diese Ansicht vertritt eine überwältigende Mehrheit von 84 Prozent der Deutschen, wie aus einer am Sonntag veröffentlichten Familienstudie hervorgeht, die „Bild am Sonntag“ in Zusammenarbeit mit dem Bundesfamilienministerium und dem Institut für Demoskopie Allensbach erstellen ließ. Nur fünf Prozent sagen demnach, dass die Anstrengungen der Arbeitgeber ausreichen.

Der Studie zufolge können die Arbeitnehmer die Defizite auf Unternehmensseite klar benennen: Für rund ein Fünftel der Arbeitgeber (19 Prozent) sei die Familie ausschließlich Angelegenheit der Angestellten. Mit sechs Prozent verfüge nur eine geringe Anzahl der Unternehmen über eigene Einrichtungen zur Kinderbetreuung. Familienfreundliche Arbeitszeiten müssten Standard werden, forderte die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ingrid Sehrbrock, in der „BamS“. „Das ist wichtig für Frauen, aber zunehmend auch für Männer.“

Ein Lebensmodell aus Hausmann und Karrierefrau ist für die überwältigende Mehrheit der Deutschen der Studie zufolge allerdings nicht erstrebenswert. Demnach bevorzugt nur ein Prozent der Bevölkerung ein Familienmodell, bei dem der Mann sich um Haushalt und Kinder kümmert, während die Frau Vollzeit arbeitet. Laut Allensbach-Chefin Renate Köcher hat die Gesellschaft „ein gestörtes Verhältnis zum Rollentausch“. Die überwältigende Mehrheit sei überzeugt, dass es nur Ergebnis einer Notlage sein könne – zum Beispiel von Arbeitslosigkeit – wenn ein Mann sich um Haushalt und Kinder kümmere und die Frau die Ernährerin der Familie sei.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fällt vielen Eltern bundesweit schwer: Rund ein Viertel (24 Prozent) gab in der Studie an, dass Beruf, Kinder und Haushalt bei ihnen nur schwer zusammengehen. Darunter leiden besonders die Väter: 39 Prozent der Männer beklagen, zu wenig Zeit für die Familie zu haben, 79 Prozent machen zu viel Arbeit dafür verantwortlich. Für die Familienstudie führte das Allensbach Institut für Demoskopie Ende 2010 in ganz Deutschland 2843 Einzelinterviews.