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Brasilien setzt wegen massiver Abholzung Notfallkommission ein

Wegen einer alarmierenden Zunahme der Abholzung des tropischen Regenwalds in Brasilien hat die Regierung die Einsetzung einer Notfallkommission angekündigt. Sie solle sich aus Vertretern der Regierung und der Bundesstaaten zusammensetzen. Im März und April hatte sich die abgeholzte Fläche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in etwa versechsfacht.

Brasília > Wegen einer alarmierenden Zunahme der Abholzung des tropischen Regenwalds in Brasilien hat die Regierung die Einsetzung einer Notfallkommission angekündigt. Sie solle sich aus Vertretern der Regierung und der Bundesstaaten zusammensetzen, sagte Umweltministerin Izabella Teixeira am Mittwoch (Ortszeit) in Brasília. Im März und April hatte sich die abgeholzte Fläche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in etwa versechsfacht.

Umweltministerin Teixeira sprach bei einer Pressekonferenz von einer „haarsträubenden und untypischen“ Abholzung. Allein im März und April seien Wälder auf einer Fläche von 593 Quadratkilometern gerodet worden. „Unser Ziel ist es, die Abholzung bis Juli zu stoppen“, sagte Teixeira. Verantwortliche für die Zerstörung der grünen Lunge der Erde müssten künftig damit rechnen, Teile ihres Viehbestands abgeben zu müssen. Brasilianische Landwirte roden häufig Waldgebiete, um Weideland zu gewinnen.

Der Notfallkommission sollen Experten und Vertreter der Bundesbehörden angehören. Außerdem sollen sich die Bundesstaaten beteiligen, in denen die Zerstörung der Wälder am ausgeprägtesten ist. Nach Berechnungen des Umweltministeriums, die sich auf Satellitenbilder stützen, wurden allein im Bundessstaat Mato Grosso im westlichen Zentrum des Landes im März und April rund 480 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Sie könne sich dieses Ausmaß nicht erklären, sagte Texeira. Die Behörden von Mato Grosso prüften derzeit Grundbesitz für Grundbesitz, um die Gründe zu klären.

Wissenschaftsminister Aloísio Mercadante sagte, viele holzten skrupellos Regenwald ab, weil sie glaubten, unentdeckt zu bleiben. „Aber wir überwachen das“, warnte er.

Der tropische Regenwald in Brasilien erstreckt sich auf etwa 5,3 Millionen Quadratkilometern, von denen sich rund 1,7 Millionen Quadratkilometer in Staatshand befinden. Derzeit wird im Kongress ein umstrittenes Gesetz über die zu schützenden Waldflächen debattiert. Die Lobby der Landwirte und Umweltschützer stehen sich in dieser Frage unversöhnlich gegenüber. Rafael Cruz von Greenpeace bezeichnete den Gesetzesentwurf im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP als „unheilvoll“, da er nicht weit genug gehe und den Umweltschutzverpflichtungen, die Brasilien international eingegangen sei, zuwiderlaufe.

Brasilien hatte sich beim Weltklimagipfel 2009 in Kopenhagen dazu verpflichtet, seinen Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid bis 2020 um 36 bis 39 Prozent zu verringern. Dazu soll die Abholzung in den Amazonas-Gebieten um 80 Prozent reduziert werden und die Emissionen in Landwirtschaft, in der Eisen- und Stahlindustrie und bei der Energieerzeugung verringert werden.