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DHL: Gewerkschaften fordern weltweite Einhaltung von Arbeitnehmerrechten

Ein Desaster für jeden CSR-Manager: Wenige Tage nach Erscheinen des umfangreichen Nachhaltigkeitsberichts wird die Deutsche Post DHL vor ihrer Jahrehauptversammlung mit Verstößen gegen gültige Arbeitsnormen konfrontiert. DHL-Unternehmenssprecher Claus Korfmacher erläutert, warum die Vorwürfe der Gewerkschaftsorganisationen seiner Meinung nach nicht zutreffen.

Bonn > Ein Desaster für jeden CSR-Manager: Wenige Tage nach Erscheinen des umfangreichen Nachhaltigkeitsberichts wird die Deutsche Post DHL vor ihrer Jahrehauptversammlung mit Verstößen gegen gültige Arbeitsnormen konfrontiert. Die internationalen Gewerkschaftsorganisationen Transportarbeiter-Föderation (ITF) und der globale Gewerkschaftsverband für Fach- und Dienstleistungsberufe (UNI) werfen der DHL die Be- und Verhinderung gewerkschaftlicher Arbeit in zahlreichen Ländern vor. So sollen beispielsweise in Guatemala DHL-Mitarbeiter, die Kontakt zur Gewerkschaft suchen, sofort entlassen werden. In anderen Ländern wie Kolumbien oder Südafrika wird von Schikanen, Einschüchterungen gegen Mitarbeiter und dem Einsatz von Lügendetektortests berichtet.

DHL-Unternehmenssprecher Claus Korfmacher wies die Vorwürfe gegenüber CSR NEWS zurück: „Wir stehen in einem ständigen Dialog mit Vertretern der beiden Gewerkschaften. Zudem bekennt sich die DHL durch einen eigenen Ethik-Kodex und dem Bekenntnis zum Global Compact der Vereinten Nationen zur Einhaltung von Arbeitnehmerrechten weltweit. Insofern haben uns die Vorwürfe überrascht, weil sie einfach nicht stimmen.“ Unterschiedliche Auffassungen gibt es zur Forderung der Gewerkschaften nach einem internationalen Rahmenabkommen für alle Beschäftigten weltweit. Korfmacher: „In diesem Punkt vertreten wir eine anderen Meinung und sehen keine Notwendigkeit für ein solches Abkommen.“ Darüber hinaus verwies Korfmacher auf die fruchtbare Arbeit mit Betriebsräten in Europa. „Die freiwilligen Vereinbarungen reichen nicht“, sagt dagegen Cornelia Haß, Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. „Wir drängen schon seit geraumer Zeit, neben ITF und UNI, auf den Abschluß eines internationalen Rahmenabkommens für DHL.“ Haß weiß zudem den Konzernbetriebsrat uneingeschränkt hinter sich. „Auch wenn wir freiwillige Vereinbarungen wie den Global Compact schätzen, so sind doch verbindliche Abkommen nötig, um bei Konflikten vermitteln zu können“, so Haß. Diese Notwendigkeit sieht ver.di nicht nur bei der DHL sondern bei allen international tätigen Logistikunternehmen. Cornelia Haß: „Wenn die Unternehmensrichtlinien so weitreichend und transparent sind wie immer gesagt, sollten verbindliche Abkommen eigentlich kein Problem sein“.

Läuft das Nachhaltigkeitsengagement der DHL Gefahr an Glaubwürdigkeit zu verlieren? Claus Korfmacher sieht diese Gefahr nicht: „Wir sind im Hinblick auf unsere CSR-Aktivitäten sehr transparent. Daran wird sich auch nichts ändern“.

Die Deutsche Post DHL beschäftigt weltweit etwa 470.000 Mitarbeiter, davon etwa 122.000 im europäischen Ausland und 160.000 in außereuropäischen Ländern. Die UNI Global vertritt auf globaler Ebene 2,5 Millionen Beschäftigte, die ITF 4,6 Millionen Mitglieder weltweit.

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