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CSR bei der Deutschen Bank: Soziales Engagement und fragwürdige Geschäfte

Einen Tag vor ihrer Hauptversammlung hat die Deutsche Bank in der vergangenen Woche ihren Nachhaltigkeitsbericht für 2010 vorgestellt. Zentrale Aussage: Wir haben im letzten Jahr fast 100 Mio. Euro für soziale Projekte ausgegeben. Dieses Engagement in allen Ehren – deutet es doch auf ein Missverständnis von Corporate Responsibility hin. Und: Die Bank berichtet in vorbildlicher Ausführlichkeit – aber einige besonders brisante Themen fehlen.

Frankfurt > Einen Tag vor ihrer Hauptversammlung letzte Woche hat die Deutsche Bank ihren Nachhaltigkeitsbericht für 2010 vorgestellt. Zentrale Aussage: Wir haben im letzten Jahr fast 100 Mio. Euro für soziale Projekte ausgegeben. Dieses Engagement in allen Ehren – deutet es doch auf ein krasses Missverständnis von Corporate Responsibility hin. Dennoch bekräftigt die Deutsche Bank auf Nachfrage insbesondere ihr gesellschaftliches Engagement und den freiwilligen Einsatz der Mitarbeiter in zahlreichen Projekten unter dem Motto: „Mehr als Geld“. Auch wenn einige brisante Themen ausgespart werden, berichtet die Bank in vorbildlicher Ausführlichkeit.

Nachhaltigkeit bedeutet für die Deutsche Bank Zukunftsfähigkeit sichern. Das CSR-Verständnis umfasst drei Ebenen. Grundlage ist das profitable Wachstum: Gewinne erwirtschaften ist die Basis gesellschaftlicher Verantwortung, möglichst sozial und ökologisch verträglich. Die Förderung gesellschaftlicher Projekte bildet den dritten und sichtbarsten Baustein. Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Bank, betont im Vorwort: „Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf und die Glaubwürdigkeit der Deutschen Bank zu riskieren. Gesellschaftliche Verantwortung muss deshalb selbstverständlicher Teil unseres Denken und Handelns sein“. Im operativen Geschäft scheint dieser Anspruch zuweilen unterzugehen. Zwar werden im CSR-Bericht „zentrale Prinzipien des Bankgeschäfts“ genannt, die ausdrücklich Waffengeschäfte ausschließen, tatsächlich unterhält die Deutsche Bank Geschäftsbeziehungen zu Herstellern von – international geächteten – Streubomben. Die Nichtregierungsorganisation „Urgewald“ schätzt das Geschäftsvolumen auf etwa 750 Mio. US$. Im Nachhaltigkeitsbericht jedoch kein Wort dazu. Ebenso wenig wie zu einem weiteren Konfliktthema, der Kernenergie. Neben direkten Beziehungen zu Unternehmen der Atomindustrie bietet die Deutsche Bank auch Investmentprodukte (beispielsweise das Zertifikat „Solactive Nuclear Power Performance“) an, die gezielt in führende Unternehmen der Nuklearindustrie investieren.

Verspielt die Deutsche Bank durch mangelnde Transparenz und Widersprüchlichkeit die Glaubwürdigkeit ihre Corporate Responsibility? Pressesprecher Christian Holz verweist dazu auf die Erklärung anlässlich der diesjährigen Hauptversammlung: „Als global tätige Bank unterhalten wir bankgeschäftliche Beziehungen zu Mischkonzernen, die mitunter auch in der Öffentlichkeit umstrittene und teilweise politisch geächtete Produkte herstellen, ohne dass dies jedoch Gegenstand der Zusammenarbeit ist. Wir verfügen über eine klare ‚No-Go-Policy‘ für Streubomben, deren Herstellung und Verbreitung von der Bank nicht finanziert werden. Wir werden die Frage, ob wir ein neues Engagement bei solchen Konzernen eingehen sollen, intensiv prüfen.“

Ihre Aktivitäten im Bereich CO2-Reduizierung hat die Deutsche Bank 2010 fortgesetzt. Erstmals wurden Daten zum Energieverbrauch und zu Treibhausgasemissionen in einer zentralen Umweltdatenbank erfasst. Ab 2013 sollen die betrieblichen Abläufe klimaneutral sein. Alleine die Modernisierung der DB-Türme in Frankfurt konnte den CO2-Ausstoß pro Mitarbeiter um fast 90 Prozent senken. Ausführlich behandelt der Bericht die Aktivitäten im Bereich der Mikrofinanzierung. Die Bank verwaltet in diesem Bereich aktuell ein Volumen von 137 Mio. US$.

Der Nachhaltigkeitsbericht 2010 der Deutschen Bank umfasst knapp 80 Seiten, orientiert sich am Standard der Global Reporting Initiative (GRI) und entspricht dem Anwendungslevel „A+“. Der Bericht wird im Internet zum Download angeboten.

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