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Jahr der Wälder: Woher kommt unser Papier?

Das Jahr 2011 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Wälder ausgerufen. Ziel ist es, den Blick auf den Wald als Natur- und Wirtschaftsraum zu lenken und somit einen Beitrag zur Erhaltung der Wälder weltweit zu leisten. Woher kommt das Holz für unser Papier? Was zunächst eindeutig erscheint, erfordert doch einen genaueren Blick.

Berlin > Das Jahr 2011 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Wälder ausgerufen. Ziel ist es, den Blick auf den Wald als Natur- und Wirtschaftsraum zu lenken und somit einen Beitrag zur Erhaltung der Wälder weltweit zu leisten. In diesem Zusammenhang wird gerne der immense Papierverbrauch in Deutschland angeführt, als eine Ursache für den Waldschwund. Woher kommt das Holz für unser Papier? Was zunächst eindeutig erscheint, erfordert doch einen genaueren Blick.

Für Marc Dietrich, CFO des Furnierherstellers Danzer, ist die Sache klar: „Unser Papier kommt aus Europa, insbesondere Skandinavien. Und hier schrumpfen die Wälder nicht“. Dem kann WWF-Holz-Experte Johannes Zahn überwiegend zustimmen, gibt aber zu bedenken: „Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es genügend Missstände gibt, vor allem aber einen stetig steigenden Papierverbrauch“. Tatsache ist: Deutschland ist der drittgrößte Zellstoffimporteur der Welt und weltweit einer der größten Papierverbraucher. Tatsache ist aber auch: Deutschland ist führend beim Papierrecycling. Für die deutsche Papierproduktion wurden nach Angaben des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) 2010 knapp 25 Mio. Tonnen Rohstoffe verwendet, davon etwa 16 Mio. Tonnen Altpapier und rund 4,5 Mio. Tonnen frischer Zellstoff. Diese stammen tatsächlich zu einem überwiegenden Teil aus Skandinavien, werden aber auch aus Brasilien importiert. Gregor Andreas Geiger, Pressesprecher des VDP: „In Brasilien wird auf Eukalyptus-Plantagen im Sinne einer Agar-Forstwirtschaft gearbeitet, Bäume werden in einem 7-Jahre-Rhythmus angebaut und verwertet. Die Anbaugebiete wurden bereits im 19. Jahrhundert gerodet und haben mit der aktuellen Entwicklung nichts mehr zu tun“.

Statistisch verbraucht jeder Deutsche rund 243 Kilogramm Papier pro Jahr, das summiert sich zu einem Verbrauch der höher liegt als in Südamerika und Afrika zusammen. Weltweit hat sich der Verbrauch seit den 1950er Jahren versiebenfacht und liegt heute bei rund 367 Millionen Tonnen, Tendenz steigend. Johannes Zahnen: „Heute wird weltweit fast jeder zweite industriell geschlagene Baum für die Papierproduktion verwendet“. Insbesondere aufstrebende Industrienationen wie China sind zu großen Abnehmern aufgestiegen. Sie beziehen den frischen Zellstoff überwiegend aus Indonesien und genau da liegt das Problem. Die indonesischen Zellstoffproduzenten gelten als rücksichtslos und sind verantwortlich für umfangreiche Kahlschläge. Über den Umweg China gelangen diese dann in den weltweiten Kreislauf. Geiger: „Im Kampf gegen diesen Missbrauch sind wir ganz auf der Seite des WWF auch wenn wir nur in geringen Mengen von dort importieren. Die Einfuhren aus Indonesien belaufen sich auf etwa 0,4% unserer Gesamtimporte, dies sind auch nur spezielle Zellstoffe. Der größte Teil der Produktion aus Indonesien wird vom asiatischen Markt absorbiert“. Dass allerdings Zellstoff auch über Umwege nach Europa kommt, beispielsweise über die Niederlande, gibt Johannes Zahn zu bedenken. Außerdem werden zunehmend Druckerzeugnisse direkt aus China importiert. Die Herkunft der Rohstoffe ist dann nicht mehr nachvollziehbar. Zahn: Zudem sagen Mengen nichts über die Qualität aus. Auch nachhaltig bewirtschaftete Wälder können problematisch sein, beispielsweise wenn Aspekte des Artenschutzes nicht berücksichtigt werden“.

In einem Punkt sind sich alle Beteiligten einig. Verbraucher, egal ob Unternehmen oder Privathaushalte, sollten beim Einkauf auf die FSC-Zertifizierung achten, sie stellt sicher, das sowohl Holz- als auch Papierprodukte aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammen. Zahn: „Am besten werden die Wälder aber durch Verzicht auf Papier geschützt“.

Auf der Website „check-your-paper“ können Unternehmen vor dem Einkauf die Zertifizierung der Papiere überprüfen. Der WWF bietet einen „Leitfaden für den Papiereinkauf“ zum Download an. Vertiefende Informationen auf den Seiten des WWF und des VDP.

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