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G-20-Agrarminister einigen sich auf Maßnahmen gegen Hungersnöte

Die Landwirtschaftsminister der zwanzig großen Industrie- und Schwellenländer (G-20) haben am Donnerstag erste Schritte zur Bekämpfung des Hungers in der Welt vereinbart. Kernpunkt ist mehr Offenheit auf den Agrarmärkten, zu der eine Datenbank für Reis, Weizen, Mais und Sojabohnen beitragen soll. Ein Thema, das die Minister weitgehend ausklammerten, war der vor allem aus Mais und Zuckerrohr hergestellte Biosprit. Hilfsorganisationen gingen die Beschlüsse von Paris nicht weit genug.

Paris > Die Landwirtschaftsminister der zwanzig großen Industrie- und Schwellenländer (G-20) haben am Donnerstag erste Schritte zur Bekämpfung des Hungers in der Welt vereinbart. Kernpunkt ist mehr Offenheit auf den Agrarmärkten, zu der eine Datenbank für Reis, Weizen, Mais und Sojabohnen beitragen soll. „Wir wollen den Blindflug beenden“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nach dem Treffen in Paris.

Die Datenbank, das so genannte Landwirtschaftliche Marktinformationssystem (AMIS), war insbesondere in Indien und China umstritten, die ihre Lagerbestände nicht preisgeben wollten. Nun erklärten sich aber doch alle G-20-Länder im Prinzip dazu bereit. Allein diese Bereitschaft sei ein „riesiger Fortschritt“, lobte Aigner. Privatbetriebe können ihre Daten freiwillig an das AMIS weitergeben, das bei der Welternährungsorganisation (FAO) angesiedelt sein soll. Da die Betriebe ein großes Eigeninteresse daran hätten, die Marktstände zu kennen, dürften sie nach Einschätzung Aigners auch ihrerseits AMIS mit Daten füttern.

Neben der Datenbank vereinbarten die Agrarminister weitere Maßnahmen gegen Preisschwankungen bei Lebensmitteln, die 2007 und 2008 zu Hungerrevolten beispielsweise in Haiti geführt hatten. Unstrittig war dabei eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion. „Um eine Weltbevölkerung zu ernähren, die 2050 mehr als neun Milliarden zählt, muss die landwirtschaftliche Produktion bis dahin um 70 Prozent steigen“, heißt es in der Abschlusserklärung.

Daneben wollen die G-20 in Krisenzeiten enger zusammenarbeiten, Mechanismen zur Bewältigung von Hungersnöten einrichten und die Spekulation an den Rohstoffmärkten einschränken. Der letzte Punkt fällt allerdings in die Zuständigkeit der Finanzminister, die Agrarminister machten aber bereits eine Reihe von Vorschlägen. So könnten Händler an Terminmärkten registriert und ein Transaktionsregister eingeführt werden.

Ein Thema, das die Minister weitgehend ausklammerten, war der vor allem aus Mais und Zuckerrohr hergestellte Biosprit. Laut der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) und der Welternährungsorganisation (FAO) werden 2020 30 Prozent der Zuckerrohrernte zu Biosprit verarbeitet. Große Produzentenländer wie die USA sperren sich dagegen, die Herstellung einzuschränken.

Den Hilfsorganisationen gingen die Beschlüsse von Paris nicht weit genug. Zur Bekämpfung der Nahrungsmittelkrise wäre eine große chirurgische Operation nötig gewesen, kritisierte Oxfam Frankreich. „Aber die G-20 schlagen nicht viel mehr vor als einen Breiumschlag auf ein Holzbein“.

Die Reform der Rohstoffmärkte, zu denen auch die Nahrungsmittel zählen, ist einer der Schwerpunkte der französischen G-20-Präsidentschaft. „Ein Markt, der nicht reguliert wird, ist kein Markt, sondern eine Lotterie, wo das Glück denen lacht, die am kaltblütigsten sind“, hatte Präsident Nicolas Sarkozy am Mittwochabend beim Empfang der G-20-Landwirtschaftsminister erklärt.

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