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Graziano da Silva wird Chef der UN-Ernährungsorganisation FAO

Der Kampf der Vereinten Nationen gegen den Hunger hat ein neues Gesicht: Der Brasilianer José Graziano da Silva wurde am Sonntag in Rom zum neuen Chef der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) gewählt. Zu den dringenden Fragen der Organisation zählten Lebensmittelsicherheit, grenzüberschreitende Krankheiten, die Bewahrung von Fischbeständen und der Klimawandel, sagte er.

Rom > Der Kampf der Vereinten Nationen gegen den Hunger hat ein neues Gesicht: Der Brasilianer José Graziano da Silva wurde am Sonntag in Rom zum neuen Chef der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) gewählt. Der frühere brasilianische Minister für Lebensmittelsicherheit wird Nachfolger des Senegalesen Jacques Diouf, der die Organisation 17 Jahre lang geführt hatte.

Neben Graziano da Silva waren fünf Kandidaten angetreten. Vier Bewerber aus Österreich, Indonesien, dem Iran und dem Irak schieden in der ersten Wahlrunde am Sonntag aus. Der Brasilianer setzte sich anschließend in einer Stichwahl mit 92 Stimmen gegen den früheren spanischen Außenminister Miguel Angel Moratinos durch, der auf 88 Stimmen kam.

Graziano da Silva ist der erste Südamerikaner, der die UN-Organisation zum Kampf gegen den Hunger leitet. Der 61-jährige Wirtschaftsprofessor widmete seine gesamte bisherige Karriere der Lebensmittelsicherheit, der Landwirtschaft und der ländlichen Entwicklung und kämpfte Seite an Seite mit den Gewerkschaften. Seit 2006 vertrat er Lateinamerika und die Karibik bei der FAO und war zudem bereits stellvertretender Generaldirektor der Organisation.

Internationale Anerkennung erhielt Graziano da Silva vor allem für das brasilianische Hungerbekämpfungsprogramm „Fome Zero“ (Null Hunger), das er während seiner Amtszeit als Minister für Lebensmittelsicherheit auf den Weg brachte. Durch innovative Ansätze gelang es, innerhalb weniger Jahre 24 Millionen Menschen aus extremer Armut zu befreien und die Unterernährung um 25 Prozent zu senken. Dabei setzte Graziano da Silva auf die Beteiligung der Zivilgesellschaft und die Gleichheit von Männern und Frauen.

Es wird erwartet, dass Graziano da Silva, der neben der brasilianischen auch die italienische Staatsangehörigkeit besitzt, seine vierjährige Amtszeit mit dringend notwendigen Reformen in der stark bürokratisch geprägten FAO beginnt. „Wir brauchen eine starke und effiziente FAO, jetzt mehr als jemals zuvor“, sagte er am Samstag vor der Abstimmung. Zu den dringenden Fragen der Organisation zählten Lebensmittelsicherheit, grenzüberschreitende Krankheiten, die Bewahrung von Fischbeständen und der Klimawandel, sagte er.

Die Hilfsorganisation Oxfam begrüßte die Wahl des Brasilianers zum neuen FAO-Generaldirektor. „Graziano hat das nötige Engagement, die Erfahrung und die Fähigkeiten, um unser kaputtes Ernährungssystem zu reformieren und den Wechsel in eine neue landwirtschaftliche Zukunft zu vollziehen“, erklärte der Politikberater der Hilfsorganisation, Luca Chinotti, nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses.

Der neue FAO-Generaldirektor steht vor großen Herausforderungen: 925 Millionen Menschen weltweit leiden an Unterernährung, alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an auf Mangelernährung zurückzuführenden Problemen. Erst am Donnerstag vereinbarten die Landwirtschaftsminister der zwanzig großen Industrie- und Schwellenländer (G-20) neue Schritte zur Bekämpfung des Hungers in der Welt. Ein Reaktionsforum soll helfen, Krisen hinsichtlich der Lebensmittelpreise zu verhindern oder abzumildern. Zudem soll die landwirtschaftliche Produktion bis 2050 um 70 Prozent gesteigert werden.

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