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Der WWF und die Unternehmen: Das Spiel mit der Glaubwürdigkeit

„Können Sie mir Erfolge für ihre Zusammenarbeit mit Unternehmen nennen“, fragt der Filmemacher Wilfried Huismann eine Mitarbeiterin des WWF. Nach langem Schweigen die Antwort: „Ich glaube nicht, dass ich eines finden kann, an dem sie nicht rummäkeln“. In der ARD-Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt“, begibt sich Huismann auf die Spuren der Zusammenarbeit zwischen der weltweit größten Naturschutzorganisation WWF und verschiedenen Konzernen.

Berlin > „Können Sie mir Erfolge für ihre Zusammenarbeit mit Unternehmen nennen“, fragt der Filmemacher Wilfried Huismann eine Mitarbeiterin des WWF. Nach langem Schweigen die Antwort: „Ich glaube nicht, dass ich eines finden kann, an dem sie nicht rummäkeln“. In der ARD-Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt“, begibt sich Huismann auf die Spuren der Zusammenarbeit zwischen der weltweit größten Naturschutzorganisation WWF und verschiedenen Konzernen. Der WWF genießt Marktforschern zufolge ein tadelloses Image. Knapp 380.000 Unterstützer bescherten dem WWF-Deutschland zuletzt Einnahmen von über 40 Millionen Euro, weltweit sollen es etwa 500 Millionen Euro sein. Einen Teil der Einnahmen erzielt der WWF durch Unternehmenskooperationen, im Geschäftsbericht 2009 der deutschen Sektion werden 3,1 Millionen Euro genannt, hinzu kommen Firmenspenden sowie Einnahmen aus dem Sponsoring- und Lizenzgeschäft.

Die Zusammenarbeit mit NGOs gehört heute für viele Unternehmen zum Alltag. Es ist noch nicht lange her, da standen sich beide Parteien meist unversöhnlich gegenüber. Heute sitzt man im Dienst der Nachhaltigkeit zusammen am runden Tisch oder wechselt sogar die Seiten. So wird die Burgerkette McDonalds inzwischen vom ehemaligen Greenpeace-Chef Gerd Leipold in Sachen Nachhaltigkeit beraten. Unternehmenskooperation erwecken schnell den Anschein des „Greenwashing“ – Kohle gegen Image. Verhindern lässt sich dies nur durch Vertrauen, klare Regeln und im Zweifel auch die Absage einer Zusammenarbeit. NGOs riskieren ihre Glaubwürdigkeit, meist ihr größtes Kapital. „Die NGOs verkaufen aber auch ein Produkt, dies wird meist vergessen“, gibt Frauke Fischer zu bedenken. Sie berät mit ihrer Agentur für Umweltfragen Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Organisationen des Umwelt- und Naturschutzes. Kritisch betrachtet sie auch die zunehmende Entwicklung, Vertreter aus NGOs in den internen CSR-Beiräten der Unternehmen zu platzieren. Wie erfolgreich eine Zusammenarbeit aussehen kann, hängt wesentlich von den Beteiligten im Unternehmen ab. „Ist primär die Marketingabteilung involviert, wird eine Zusammenarbeit nicht in die Tiefe gehen“, so Fischer. „CSR-Abteilungen betrachten die Zusammenarbeit aus einem anderen Blickwinkel und versuchen, den Anschein des ‚Greenwashing’ auf jeden Fall zu vermeiden“.

Dass dies nicht immer einfach ist, zeigt Filmemacher Huismann am Beispiel einer Großbank. Diese gibt laut Huismann gut 100 Millionen Dollar für eine Klima-Partnerschaft mit dem WWF aus, finanziert aber gleichzeitig die großflächige Abholzung in Indonesien durch Palmölkonzerne. Für den WWF kein Problem, in der Reaktion auf den Film heißt es: „Der WWF ist nicht käuflich. Weil Unternehmen oft Teil des Problems sind, verhandeln wir mit ihnen, um möglichst viel für die Natur zu erreichen. Dabei haben wir klare Grenzen. Und: Wir kritisieren wenn nötig Kooperationspartner, auch öffentlich. Der Panda trägt keinen Maulkorb“.

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