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Stopfmäster protestieren gegen Boykott bei Kölner Ernährungsmesse

Toulouse > Die weltweit führende Ernährungsmesse, die Kölner ANUGA, hat sich mit einem Stopfleberboykott einige Feinde in Frankreich gemacht: Mehrere Hersteller und Lokalpolitiker aus dem Südwesten Frankreichs protestierten am Freitag gegen den Beschluss der Allgemeinen Nahrungs- und Genussmittelausstellung, bei der diesjährigen Messe im Oktober auf Stopflebererzeugnisse von der Ente und der Gans zu verzichten. “Das ist unglaublich!”, empörte sich der sozialistische französische Senator Alain Fauconnier. “Das ist, als ob wir in Frankreich die Wiener Würstchen aus Deutschland verbieten würden.”

Er habe den deutschen Botschafter in Paris in einem Schreiben aufgefordert, auf die Veranstalter der Kölner Messe einzuwirken, betonte der Senator. Der Präsident der Region Midi-Pyrénées, Martin Malvy, warf Deutschland “Scheinheiligkeit” vor. Zwar hätten die Deutschen die Stopfmast bei sich verboten – der Verzehr sei aber weiterhin erlaubt. Außerdem werde das Fleisch der gemästeten Enten und Gänse auch in Deutschland verarbeitet. Auch der Verband “Vive le foie gras!” (“Es lebe die Stopfleber!”) übte Kritik.

Der Tierschutzverein Vier Pfoten Deutschland hatte den Stopfleberboykott dagegen begrüßt: Die Enten und Gänse müssten für die Herstellung “unvorstellbare Qualen” erleiden, erklärte der Verein diese Woche zu dem Verbot. “Alle Verbraucher sind aufgefordert, Stopfleber als das zu betrachten, was sie ist: ein krankes und auf bis zu zehnfache Größe angeschwollenes Organ eines zwangsernährten Tieres.”

Die Anuga betonte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass es bei der Messe kein Verbot gebe. Stopfleber sei nicht mehr im Warenverzeichnis aufgeführt – wenn ein Hersteller aber “Foie gras” neben anderen Produkten im Angebot habe, könne ihm die Messe dies nicht verbieten. Stopfleber ist eine französische Spezialität, die offiziell zum gastronomischen Kulturerbe des Landes gehört. In Deutschland ist ihre Herstellung eine Straftat, weil die Tiere dabei gequält werden.