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Mehr private Sicherheitsleute als Polizisten – wie steht es um die CSR der Branche?

Weltweit gibt es immer mehr private Sicherheitsdienste und es befinden sich immer mehr Kleinfeuerwaffen in den Händen privater Wachleute. Nach einer Studie beschäftigt die private Sicherheitsbranche weltweit 20 Millionen private Wachleute. Die Anzahl privater Sicherheitsleute sei damit nahezu doppelt so groß wie die Anzahl der Polizeibeamten weltweit. Wie steht es um die CSR in der Branche? Wer nach der gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme im Kerngeschäft fragt, findet wenige Informationen.

Essen > Weltweit gibt es immer mehr private Sicherheitsdienste und es befinden sich immer mehr Kleinfeuerwaffen in den Händen privater Wachleute. Diese Schlussfolgerung zieht das Graduate Institute of International and Development Studies in seiner kürzlich veröffentlichten Studie „Small Arms Survey 2011”. Demnach beschäftigt die private Sicherheitsbranche weltweit 20 Millionen private Wachleute. Die Anzahl privater Sicherheitsleute sei damit nahezu doppelt so groß wie die Anzahl der Polizeibeamten weltweit. In einigen Ländern habe sich die Zahl privater Wachleute in den vergangenen 10 bis 20 Jahren verdoppelt oder sogar verdreifacht. Das Institut sieht den Grund für diesen Trend unter anderem darin, dass Regierungen das Sicherheitsmanagement outsourcen. “In Gefängnissen, an Flughäfen, an Grenzübergängen und auf der Straße ist der Sicherheitsschutz zunehmend in der Hand privater Sicherheitsdienste”, so Keith Krause, Direktor des Instituts und Gründer der Small Arms Survey. “Die entscheidende Frage – auf die wir keine Antwort wissen – ist, ob diese Entwicklungen unsere Sicherheit erhöhen oder verschlechtern.”

Angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Bedeutung privater Sicherheitsdienste ist es interessant, einen Blick darauf deren Bereitschaft zur gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme zu werfen. Zwei Beispiele:

KÖTTER Services

KÖTTER Services – ein Unternehmen mit 13.500 Mitarbeitern an über 50 Standorten – tritt zunächst mit einem philanthropischen CSR-Verständnis an die Öffentlichkeit heran: Um dem Gemeinwohl zu dienen, vergibt das Unternehmen Fördermittel an soziale Verbände, regionale Kultureinrichtungen und Sportvereine. Kötter unterstützt beispielsweise die Stiftung Universitätsmedizin Essen, den Kongress für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke, die Philharmonie Essen und die ETUF „Kindertalentiade“. Dieser Wettbewerb richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Klasse aus allen sozialen Schichten, die im sportlichen Wettkampf den fairen und respektvollen Umgang miteinander lernen sollen.

Auch in Sachen Umweltschutz möchte KÖTTER Services einen Beitrag leisten: Das Unternehmen hat eine Umwelt-Leitlinie entwickelt und betrachtet diese als festen Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Zu der Leitlinie zählt der offene Dialog mit Kunden und Lieferanten über Fragen des Umweltschutzes, die Schulung der Mitarbeiter zum Thema Umwelt sowie eine regelmäßige Überprüfung der Umweltauswirkungen ihrer Dienstleistungen und Produkte. Des Weiteren versucht das Unternehmen durch den Einsatz verbrauchs- und schadstoffarmer Fahrzeuge und durch alternative Antriebe Energieverbrauch und Schadstoffausstoß zu reduzieren.

KÖTTER Services hat es sich zusätzlich zum Ziel gesetzt, konsequenten Arbeits- und Gesundheitsschutz zu leisten. Ökonomische Überlegungen sollen störungsfreie Arbeitsabläufe gewährleisten. Ein grundlegendes Handbuch und Checklisten zu diesem Thema sollen helfen, die Überlegungen in die Praxis umzusetzen. Außerdem stehen den Mitarbeitern vor Ort Sicherheitsbeauftragte beratend zur Verfügung.

Kötter bietet damit einiges an Informationen zu seinen Nachhaltigkeitsaktivitäten und ein Nachhaltigkeitsprogramm, das deutlich über Philanthropie hinaus geht. Allerdings sucht meine eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Rolle privater Sicherheitsdienstleister in der Gesellschaft mit einer Reflexion des staatlichen Gewaltmonopols vergeblich.

SECURITAS

Auch SECURITAS möchte soziale Verantwortung übernehmen und diese im Kerngeschäft verankern. Deshalb hat das Unternehmen einen Verhaltenskodex entwickelt, eine grundlegende Regelung für die in der SECURITAS geltenden Sozialstandards. Dazu gehört beispielsweise der Ausschluss von Kinderarbeit, die Achtung und Unterstützung der Menschenrechte sowie die Förderung individueller Freiheiten. Außerdem arbeitet SECURITAS mit öffentlichen Organisationen und Behörden zusammen. Das Unternehmen hilft dabei Gesetze, Vorschriften und Normen zu gestalten, die die Sicherheitsindustrie betreffen und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter regeln. Die Informationen der Securitas sind spärlich und intransparent, sie deuten jedoch an, dass der Sicherheitsdienstleister CSR auf sein Kerngeschäft bezieht.