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Menschen werden nicht grün mit Top-Konzernen

„Stell Dir vor, die Unternehmen handeln nachhaltig und keiner hat’s gemerkt.“ Diese Abwandlung eines Zitats des amerikanischen Dichters Carl Sandburg beschreibt das Ergebnis einer Umfrage aus der Beratungsgesellschaft Ernst & Young ganz treffend. Nach Auffassung der Befragten haben bei weichen Themen wie Umweltschutz, ethisches Handeln und soziales Engagement relativ wenige Unternehmen Vorbildcharakter.

Stuttgart > „Stell Dir vor, die Unternehmen handeln nachhaltig und keiner hat’s gemerkt.“ Diese Abwandlung eines Zitats des amerikanischen Dichters Carl Sandburg beschreibt das Ergebnis einer Umfrage aus der Beratungsgesellschaft Ernst & Young ganz treffend. Im Mai dieses Jahres wurden 1.000 Verbraucher in einer repräsentativen Studie telefonisch zur Erwartungshaltung gegenüber Großunternehmen befragt. Nach Meinung der Bevölkerung leisten die Großunternehmen einen positiven Beitrag zur Beschäftigungsentwicklung in Deutschland und zur Stärkung des Standorts. Als besonders vorbildlich wurden Volkswagen, Siemens und Daimler vor allem im Hinblick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen genannt.

Interessant wird es bei Themen wie Nachhaltigkeit und Ethik. Eine nachhaltige Unternehmenspolitik ist für immerhin 68 Prozent der Verbraucher sehr wichtig, direkt hinter dem wichtigsten Aspekt, der Schaffung von Arbeitsplätzen. Sollten die Befragten dann ein Unternehmen benennen, das sich bei dieser Thematik besonders hervortut, war eher Schweigen im Walde. Beim Umweltschutz konnten immerhin 34 Prozent kein einziges Unternehmen benennen, im Hinblick auf ethisches Handeln waren es sogar 64 Prozent. Beim Umweltschutz hat sich Volkswagen hervorgetan, wurde allerdings auch nur von jedem zehnten Befragten genannt. Siemens wird als Unternehmen wahrgenommen, das sich besonders für ethisches Handeln einsetzt, nach den Korruptionsskandalen der letzten Jahre ein bemerkenswertes Ergebnis.

„Die Deutschen wissen den Beitrag der Top-Konzerne zum Standort Deutschland absolut zu würdigen und sehen in diesen Unternehmen sehr leistungsstarke Globalisierungsgewinner, die sich vor allem durch innovative Produkte, Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft auszeichnen“, stellt Mark Smith, Managing Partner bei Ernst & Young, fest. „Die Wahrnehmung ist insgesamt allerdings recht einseitig: Bei weicheren Themen wie Umweltschutz, ethisches Handeln und soziales Engagement haben relativ wenige Unternehmen Vorbildcharakter“. Geht es beispielsweise um Frauenförderung, wird die Telekom als bestes Unternehmen genannt, das Thema insgesamt halten aber nur 41 Prozent der Befragten für sehr wichtig. Gut der Hälfte der Bevölkerung fällt dazu kein Unternehmen ein.

Laufen die CSR-Bemühungen der Unternehmen etwa ins Leere? Offensichtlich werden die großen Unternehmen den Erwartungen der Bevölkerung nicht gerecht. Smith: „Angesichts der umfassenden Aktivitäten, die viele Unternehmen mittlerweile auf diesem Gebiet entfalten und oft in Nachhaltigkeits- bzw. CSR-Berichten dokumentieren, ist dies ein schwaches Ergebnis. Die Unternehmen sollten nicht nur interne Maßnahmen ergreifen, sondern diese Aspekte stärker in den Fokus ihrer Unternehmenskommunikation rücken“.

Die detaillierten Ergebnisse der Umfrage gibt es auf der Website von Ernst&Young zum Download.