Partnermeldungen

Initiative aus der Zentrale – Konkretisierung vor Ort

Die MAN Gruppe hat ihre CR-Strategie im vergangenen Jahr neu ausgerichtet und begonnen sie zu implementieren. Was die MAN-CR-Strategie vor allem kennzeichnet, ist der integrierte Ansatz: Corporate Responsibility soll bei MAN in allen Geschäftsprozessen und Managementsystemen zum Tragen kommen und eine nachhaltige Wertschöpfung ermöglichen.
2011 hat das Münchener Industrieunternehmen seinen CR-Bericht nach den Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI) erstellt. Yvonne Benkert ist Senior-Managerin Corporate Responsibility bei der MAN SE.

  • Frau Benkert, MAN berichtet seit dem Jahr 2010 ausführlich nach den Kriterien der Global Reporting Initiative. Hilft Ihnen dieser Standard bei der Berichterstattung oder bedeutet er für MAN vor allem zusätzlichen Aufwand?

Die Richtlinien der Global Reporting Initiative haben uns sehr dabei geholfen, den Bericht zu strukturieren – sowohl bei der redaktionellen Arbeit als auch bei der Erfassung der Daten. Sie haben uns eine verbindliche Struktur über die Teilkonzerne hinweg gegeben. Für 2010 haben wir uns entschieden, auf der Anwendungsebene „B+“ zu berichten.

  • Was unterscheidet die Berichterstattung zu gesellschaftlichen Themen von anderen Themenbereichen, wie Umwelt, Ökonomie oder Produktverantwortung?

Unsere Berichterstattung zu gesellschaftlichen Themen hat im Report 2010 den Schwerpunkt auf Corporate Governance gelegt – schließlich sieht sich MAN nach dem Compliance-Skandal hier besonders in der Pflicht. Zudem haben wir erkannt, dass es Voraussetzung und Basis für nachhaltige Wertschöpfung ist, Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen, in der wir uns ja bewegen. Die Berichterstattung dazu unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der zu Umwelt, Ökonomie oder Produktverantwortung : Auch hier versuchen wir soweit möglich quantitativ und nach den Kriterien der GRI zu berichten.

  • MAN hat über 30 Produktionsstätten in 13 Ländern. Wie kommt MAN seiner gesellschaftlichen Verantwortung an den jeweiligen Standorten nach?

Unser Ziel ist es, weltweit an unseren Standorten ein guter Unternehmensbürger zu sein – das gesellschaftliches Engagement hat bei MAN Tradition. Wo immer wir Wert schaffen, sollen auch die Menschen vor Ort profitieren. Deshalb ist gesellschaftliche Verantwortung regional klar definiert und zugeordnet: Wir als MAN SE stoßen von München aus Kernprojekte mit unserem Kooperationspartner SOS-Kinderdorf e.V. an. Die Verantwortlichen an den Standorten haben die Freiheit und Verpflichtung, vor Ort Projekte zu initiieren, die regionale Herausforderungen berücksichtigen. Meine Aufgabe ist eher, den Erfahrungsaustausch zwischen den Standorten anzuregen, um voneinander zu lernen, sowie die verschiedenen Projekte sowohl intern als auch extern zu kommunizieren.

  • Wie geht MAN bei der Besetzung von Führungspositionen in Entwicklungs- und Schwellenländern vor?

Für den Transfer von Know-how ist es wichtig, vakante Führungspositionen auch mit Bewerbern aus der Region zu besetzen. Damit kommen wir nicht nur unserer Verantwortung als Arbeitgeber nach, sondern werden auch den interkulturellen Herausforderungen gerecht, denen sich ein international tätiger Konzern gegenüber sieht. Wir haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass es in neu errichteten Werken sinnvoll sein kann, für die Startphase einen europäischen Manager einzusetzen, der bereits Erfahrungen in einem anderen Werk gemacht hat. Das haben wir zum Beispiel bei der Inbetriebnahme unseres Werks in Changzhou, China so gehandhabt.

  • In vielen Ländern ist die Bekämpfung von Korruption ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Welche Maßnahmen ergreift MAN um Korruption zu vermeiden und vorzubeugen?

Das Thema Korruption ist bei uns in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus gerückt. Darauf haben wir reagiert: Anfang 2010 haben wir ein umfangreiches Compliance-Programm eingeführt. Es umfasst beispielsweise weltweite Compliance-Trainings für Mitarbeiter, ein Compliance-Helpdesk, bei dem sich die Mitarbeiter in Zweifelsfällen informieren können, und die Überarbeitung unseres Code of Conduct, der mittlerweile weltweit gültig und in 11 Sprachen verfügbar ist. Dass wir hier auf dem richtigen Weg sind, zeigt auch unsere Aufnahme als korporatives Mitglied bei Transparency International.

  • MAN ist seit 2009 freiwilliges Mitglied des EU-Lobbyregisters. Warum ist es für MAN wichtig diesbezüglich über die gesetzlichen Vorschriften hinaus Transparenz zu schaffen?

Lobbying und der Austausch mit der Politik sind für MAN wichtig, da unsere Produkte direkt vom regulatorischen Rahmen betroffen sind, den etwa die EU setzt, wie zum Beispiel die Euronormen für Emissionen. Traditionell ging MAN erst mit Themen an die Öffentlichkeit, wenn es etwas vorzuzeigen gab. Doch Lobbying funktioniert etwas anders: Es bedeutet nämlich auch, sich zu positionieren und Themen innerhalb einer Branche frühzeitig zu besetzen. Und wenn wir im Bereich Lobbying aktiv sind, wollen wir auch transparent darüber berichten, welche Mittel wir dafür aufwenden und welche Positionen wir vertreten.

  • Wie hoch schätzen Sie den Einfluss des gesellschaftlichen Engagements von MAN auf die Kaufentscheidung von Kunden bzw. auf die Investitionsentscheidungen von Investoren ein?

Selbstverständlich ist uns klar: Investoren machen ihre Entscheidung nicht ausschließlich von CR-Themen abhängig. Aber Corporate Responsibility fließt in die Gesamtbewertung eines Unternehmens mit ein. Wenn ein Unternehmen eine gute Performance liefert, volle Auftragsbücher hat und unternehmerische Verantwortung in der Strategie verankert hat, werden sich Investoren eher für dieses Unternehmen entscheiden als für ein anderes.
Auch bei Kunden fließen CR-Aspekte in die Kaufentscheidung ein. Unsere Key-Account-Kunden, wie etwa die Deutsche Post DHL, Veolia oder Mærsk verfolgen selbst eine Klimastrategie mit Zielen zur CO2-Reduktion und richten ihre Kaufentscheidung entsprechend aus. Dabei spielt der „total cost of ownership“-Ansatz, der die Gesamtbetriebskosten berücksichtigt, eine besondere Rolle. Hier greift unsere Verantwortung, denn weniger Kraftstoffverbrauch heißt immer auch weniger CO2-Emissionen.

  • Was hat MAN im Bereich des gesellschaftlichen Engagements in den nächsten drei Jahren geplant?

Die Umsetzung unseres Compliance-Programms ist und bleibt sicherlich auch in den nächsten Jahren ein wichtiges Thema für uns. Hier seien beispielhaft das Compliance-Management in der Lieferkette und das Whistleblowing-System, das wir von einigen Monaten eingerichtet haben, genannt. Darüber hinaus planen wir gemeinsam mit unserem Kooperationspartner SOS-Kinderdorf freiwilliges Mitarbeiterengagement stärker zu fördern. Hierfür werden wir unseren Mitarbeitern konkrete Projekte anbieten. Mit Hilfe einer Internetplattform sollen unsere Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich für Projekte zu registrieren und über ihre Erfahrungen zu berichten. Damit machen wir unternehmerische Verantwortung für unsere Mitarbeiter persönlich erlebbar.

  • Welche sind die Ziele von MAN im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung?

Wir wollen uns in der CR-Berichterstattung signifikant verbessern und auch einen Platz unter den Top-20 im IÖW/future-Ranking der Nachhaltigkeitsberichte belegen. Im letzten Ranking lagen wir abgeschlagen auf dem letzten Platz. Außerdem streben wir bis 2015 eine Integration des CR-Berichts in den Geschäftsbericht an.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Benkert!

Dies war der letzte Beitrag von akzente kommunikation und beratung zu den sechs Indikatorengruppen Global Reporting Initiative. Erschienen sind in dieser Reihe: