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Mehr als wertloser Elektroschrott

Mehr als 72 Millionen alte Handys horten die Deutschen nach einer Studie des Branchenverbands Bitkom von Ende vergangenen Jahres. Neue Modelle und grundlegende Systeminnovationen wie die Einführung von Smartphones und 3D-fähigen Mobiltelefonen verleiten Nutzer seit Jahren zur Anschaffung neuer Geräte, noch bevor ihre aktuellen den Geist aufgeben. Seit langem schon bieten Mobilfunkanbieter ihren Kunden die Möglichkeit an, Altgeräte abzugeben und kostenlos recyceln zu lassen.

Von Sebastian Bronst

Hamburg > Mehr als 72 Millionen alte Handys horten die Deutschen nach einer Studie des Branchenverbands Bitkom von Ende vergangenen Jahres. Neue Modelle und grundlegende Systeminnovationen wie die Einführung von Smartphones und 3D-fähigen Mobiltelefonen verleiten Nutzer seit Jahren zur Anschaffung neuer Geräte, noch bevor ihre aktuellen den Geist aufgeben. Die ausgemusterten Handys sind dabei keineswegs wertloser Elektroschrott, sondern können ihren Besitzern auf dem Gebrauchtmarkt für Mobiltelefone Geld bringen.

Seit langem schon bieten Mobilfunkanbieter ihren Kunden die Möglichkeit an, Altgeräte abzugeben und kostenlos recyceln zu lassen. Denn die Elektrobauteile der Handys enthalten Edelmetalle wie Kupfer und sogenannte seltene Erden wie Tantal, die als kostbare Rohstoffe gelten. Doch neben diesem klassischen Weg der Entsorgung, zu dem auch das Recycling über kommunale Abfallsammelstellen gehört und der den Nutzern finanziell nichts bringt, hat sich inzwischen ein neues Verwertungsmodell etabliert: der Verkauf über Internetseiten von Händlern, die gezielt nach gebrauchten Handys suchen.

Bei “Wirkaufens” und vergleichbaren Webportalen wie “Zonzoo” oder “Rebuy” können Verbraucher ihre Geräte online anbieten, ihren Zustand beschreiben und bekommen sofort ein Preisangebot. Sind sie damit einverstanden, erhalten sie einen Paketbeschriftungszettel per E-Mail zum Ausdrucken zugesandt, mit dem sie ihr Handy kostenlos einschicken können. Das Geld wird anschließend überwiesen.

In den USA und in Großbritannien gebe es derartige Angebote schon länger, aber auch in Deutschland komme das Gebrauchtelektronik-Geschäft in Fahrt, sagt Christian Wolf, Chef der “Wirkaufens”-Betreiberfirma asgoodas.nu in Frankfurt an der Oder. Mehr als 6000 Geräte bekomme sein Unternehmen derzeit pro Monat zugeschickt, neben Handys auch Digitalkameras, MP3-Player und Computer. Tendenz steigend. 80 Euro zahlt “Wirkaufens” laut Wolf im Schnitt je Gerät aus. Die Modelle werden technisch und optisch aufbereitet, Datenspuren der Besitzer gelöscht. Geld verdient die Firma mit dem Weiterverkauf im In- und Ausland.

Das Angebot soll Verbraucher ansprechen, die ausgediente Geräte möglichst unkompliziert zu Geld machen wollen. Privatpersonen können diese auch selbst auf Ebay versteigern, aber das ist aufwendig. Der Anbieter muss eine Auktion initiieren, Fotos ins Netz stellen, Fragen von Interessenten beantworten und den Versand organisieren. Viele scheuen diesen Aufwand.

Auch große Mobilfunkanbieter sehen inzwischen Vorteile im professionellen Gebrauchthändler-Modell und kooperieren mit “Wirkaufens”. Sie bieten Kunden, auf ihrer Homepage an, Althandys bei der Firma in Zahlung zu geben und legen teils noch Gutscheine als zusätzlichen Anreiz obendrauf. Sie haben erkannt, dass es die Bereitschaft für Neuanschaffungen steigern kann, wenn Verbraucher zumindest einen Teil des Kaufpreises für das Nachfolgemodell durch den Verkauf des alten gegenfinanzieren können.

Und Gelegenheiten für einen vorzeitigen Modellwechsel wird es auch künftig genügend geben. Kaum dass die Smartphone-Welle durch das Land rollte, steht mit der Einführung von Geräten mit 3D-Displays der nächste Technologiesprung schon bevor. “Das wird der nächste große Boom”, meint Wolf. Wohl auch für seine Firma.