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Wege zur nachhaltigen Verwaltung

An der Leuphana Universität Lüneburg hat sich ein neues Forschungsnetzwerk gegründet, mit dem Ziel, den Nachhaltigkeitsgedanken auf kommunaler Ebene umzusetzen. Zusammen mit Partnern aus der Praxis wollen die Wissenschaftler, ein Steuerungssystem für Kommunen entwickeln und dabei neben ökologischen und sozialen Kriterien erstmals auch die finanzielle Dimension in den Blick nehmen.

Lüneburg > An der Leuphana Universität Lüneburg hat sich ein neues Forschungsnetzwerk gegründet, mit dem Ziel, den Nachhaltigkeitsgedanken auf kommunaler Ebene umzusetzen. Zusammen mit Partnern aus der Praxis wollen die Wissenschaftler, ein Steuerungssystem für Kommunen entwickeln und dabei neben ökologischen und sozialen Kriterien erstmals auch die finanzielle Dimension in den Blick nehmen. „Die Kommunen sind gefordert, sich viel stärker mit den gravierenden Folgen globaler Veränderungen wie dem Klimawandel, Wirtschafts- und Finanzkrisen oder der Verschuldung öffentlicher Haushalte zu beschäftigen“, ist Projektleiter Prof. Dr. Harald Heinrichs überzeugt. Er sieht große Einflussmöglichkeiten bei den Kommunen, wenn es um die Verbesserung von Lebens- und Umweltqualität geht. Deshalb sei es dringend erforderlich, ein integriertes Konzept zur Nachhaltigkeitssteuerung in deutschen Kommunen zu entwickeln. Zum Netzwerk gehören drei Institute der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität, die Städte Lüneburg und Freiburg i.Br. sowie das Institut für den öffentlichen Sektor aus Berlin.

Nach Angaben des Forschungsnetzwerks gibt es bislang bundesweit nur etwa 80 Kommunen, die in den vergangenen zehn Jahren einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht haben. Während dessen berichten beispielsweise 85 Prozent der DAX-Unternehmen regelmäßig über ihre Nachhaltigkeitsleistungen. Allerdings haben auf der diesjährigen Hauptversammlung des Deutschen Städtetags in einer Blitzumfrage über 89 Prozent der Delegierten bestätigt, dass Entscheidungen in Politik und Verwaltung zunehmend von Nachhaltigkeitskriterien beeinflusst werden. Für die Lüneburger Forscher verständlich, da bei einer Staatsquote von 47 Prozent staatliche Einrichtungen eine signifikante Bedeutung zur Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen haben, zumal das Kerngeschäft kommunaler Einrichtungen, die Bereitstellung öffentlicher Güter und Dienstleistungen ist. Viele Folgen des globalen Wandels betreffen insbesondere die kommunale Ebene von Politik und Verwaltung, trotzdem haben sich bislang keine integrierten Konzepte entwickelt. Die öffentliche Hand koordiniert und reguliert vor allem die Nachhaltigkeitsbemühungen von Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Die Zukunft der Städte und Kommunen haben aber nicht nur Wissenschaftler im Blick. Seit 2010 treffen sich regelmäßig 20 Oberbürgermeister, um über die „Nachhaltige Stadt“ zu diskutieren. Erstes Ergebnis war im letzten Jahr ein Strategiepapier zur nachhaltigen Entwicklung der Kommunen. Neben ökologischen und sozialen Kriterien der Kommunalpolitik, beispielsweise bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, ist einer der Eckpunkte des Papiers auch der verantwortliche Umgang mit Steuergeldern. So setzen sich die Bürgermeister ebenso für ausgeglichene Haushalte und nachhaltigen Schuldenabbau ein. Anknüpfend an dieses Strategiepapier hat das Deutsche Institut für Urbanistik im Juni die Broschüre „Städte für ein nachhaltiges Deutschland“ vorgestellt. Aufgezeigt werden Beispiele aus den Kommunen die zur Nachahmung einladen sollen, von Energiekonzepten über Bürgerengagement bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitszielen bis hin zum Monitoring. Gleichzeitig machen die Bürgermeister jedoch deutlich, dass eine konsequente Nachhaltigkeitspolitik besserer Rahmenbedingungen bedarf, und verstehen ihr Strategiepapier ebenso als Forderung an Bund und Länder für einen partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe.

Weitere Informationen zum Forschungsnetzwerk bietet die Website der Leuphana Universität Lüneburg. Zum Download stehen das Strategiepapier und die daraus hervorgegangene Broschüre bereit. Beispielhaft sei hier noch der Leitfaden für kommunalen Klimaschutz und eine Dokumentation zum gleichnamigen Wettbewerb genannt, sowie der Leitfaden für kommunale Nachhaltigkeitsprozesse aus dem Umweltbundesamt.