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Ergo reagiert mit Transparenz-Initiative auf Skandale

Mit einer Transparenz-Offensive reagiert der Versicherungskonzern Ergo auf die Skandale der vergangenen Monate. Im gesamten Konzern soll die Abteilung für gute Unternehmenskultur gestärkt werden. Auch hat sich das Unternehmen gemeinsam mit den Vertretern auf einen Verhaltenskodex geeinigt. Auf alle Fragen zum Geschehenen findet das Unternehmen aber trotzdem keine Antwort.

Düsseldorf > Mit einer Transparenz-Offensive reagiert der Versicherungskonzern Ergo auf die Skandale der vergangenen Monate. Das Unternehmen wolle „Transparenz geben, auch zu Themen, bei denen wir nicht so gut aussahen“, sagte Vorstandchef Torsten Oletzky am Mittwoch in Düsseldorf. Auf alle Fragen zum Geschehenen findet das Unternehmen aber trotzdem keine Antwort.

„Wir müssen konstatieren, dass wesentliche Vorwürfe berechtigt waren“, sagte Oletzky. Keinen Zweifel mehr gibt es daran, dass im Jahr 2007 Mitarbeiter der Hamburg-Mannheimer (HMI) auf Unternehmenskosten an einer Feier mit Prostituierten teilgenommen hatten. Die HMI gehört seit 2010 zur Ergo. An dieser Feier hätten zwei Angestellte sowie 64 Vermittler teilgenommen, sagte Oletzky. Wie diese „völlig inakzeptable“ Veranstaltung drei Jahre lang von der Vorstandsriege unentdeckt habe bleiben können, sei durchaus „eine Frage, die man sich stellen muss“, sagte der Vorstandschef – er hatte jedoch keine Antwort darauf: „Sie ist unentdeckt geblieben.“

Die HMI brachte der Ergo im Juni erneut Kritik ein, diesmal aufgrund fehlerhafter Riester-Verträge. Auf den Antragsformularen hatte die Versicherung im Jahr 2005 zu niedrige Verwaltungskosten ausgewiesen. Der Fehler im Kleingedruckten auf der Formular-Rückseite entstand dem Unternehmen zufolge beim Nachdruck des Papiers. Es sei „Ironie des Schicksals“, gestand Oletzky am Mittwoch ein, „dass das genau der Versicherung geschieht, die von sich selbst sagt, sie wolle das Kleingedruckte abschaffen“.

Wie es zu dem Druckfehler kam, bleibt ungewiss. „Es war am Ende nicht möglich, die erste Quelle für den Fehler zu identifizieren“, sagte Steffen Salvenmoser von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die im Auftrag der Ergo die Vorgänge untersucht hatte. Damals beteiligte Personen hätten sich nicht mehr erinnern können, die beauftragte Setzerei sei insolvent. Der Insolvenzverwalter verwahre keine Unterlagen.

Der laut Salvemoser „dramatische Fehler“ sei ohnehin erst später geschehen: Obwohl der Fehler bereits im Oktober 2005 entdeckt worden sei, habe ihn das Unternehmen nicht konsequent behoben.

In der vergangenen Woche wurden Vorwürfe zu den Geschäftspraktiken von Ergo-Vertretern bei der betrieblichen Altersvorsorge laut. Demnach schloss die Versicherung mit Unternehmen günstige Kollektivverträge. Vertreter hätten deren Angestellten aber trotzdem teurere Einzelverträge zu den normalen Konditionen verkauft. Eine Klärung solcher Beschuldigungen generell „sehr, sehr aufwändig“, sagte Oletzky. Einem Vertreter sei aufgrund verschiedener Vorwürfe aber gekündigt worden.

Folgen könnten die Skandale vor allem für die HMI haben: Sechs Monate lang soll laut Oletzky eine interne Arbeitsgruppe die Skandaltochter „sehr grundsätzlich“ prüfen. Das stellt die Zukunft der HMI, die immerhin zehn Prozent des Neugeschäfts der Ergo liefert, in Frage: Eine Auflösung oder einen Verkauf schloss Oletzky nicht aus. „Ich halte es persönlich für nicht sehr wahrscheinlich, aber es gibt keine Denkverbote für die Arbeitsgruppe“, sagte der Ergo-Chef.

Im gesamten Konzern solle die Abteilung für gute Unternehmenskultur gestärkt werden. Auch habe sich das Unternehmen gemeinsam mit den Vertretern auf einen Verhaltenskodex geeinigt. Außerdem werde Ergo seine Kundenberatung verbessern und eigene Testkäufer einsetzen.