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UN-Bericht prangert massive Umweltverschmutzung im Nigerdelta an

Ein UN-Bericht zu Umweltschäden durch die Ölförderung im Nigerdelta bringt die nigerianische Regierung und den Ölriesen Shell in Bedrängnis. Das Umweltprogramm untersuchte das Ausmaß und die Folgen der Ölförderung in der Region für seine Studie zwei Jahre lang. Naturschützer machen seit Jahren auf die dortige Umweltkatastrophe aufmerksam. Die Gegend ist mit Pipelines, Brunnen und anderen Förderanlagen übersät. Das Trinkwasser, die Böden und große Mangrovenwälder sind dort extrem verschmutzt.

Lagos > Ein UN-Bericht zu Umweltschäden durch die Ölförderung im Nigerdelta bringt die nigerianische Regierung und den Ölriesen Shell in Bedrängnis. Die UNO habe eine wissenschaftliche Basis geliefert, auf deren Grundlage Betroffene rechtliche Forderungen stellen könnten, sagte der bekannte Menschenrechtsanwalt Femi Falana am Freitag. Das UN-Umweltprogramm UNEP hatte die Folgen der Ölförderung in der Region Ogoniland angeprangert.

„Das ist eine wunderbare Intervention der Vereinten Nationen“, sagte Falana. „Das hat die Rufe der Ogoni-Bevölkerung der vergangenen Jahre bestätigt.“ UNEP hatte am Donnerstag eine Studie zur Umweltkatastrophe in Folge der Ölförderung in der besonders ölreichen Region Ogoniland im Nigerdelta vorgestellt. Demnach bedarf es dort der möglicherweise „umfangreichsten und längsten Öl-Säuberungsarbeiten aller Zeiten“. Sie könnten 25 bis 30 Jahre lang dauern. UNEP empfahl die Einrichtung eines Sonderfonds für Ogoniland, in den die Ölunternehmen und die nigerianische Regierung eine Milliarde Dollar (gut 700 Millionen Euro) einzahlen sollten.

Das Umweltprogramm untersuchte das Ausmaß und die Folgen der Ölförderung in der Region für seine Studie zwei Jahre lang. Naturschützer machen seit Jahren auf die dortige Umweltkatastrophe aufmerksam. Ogoniland ist mit Pipelines, Brunnen und anderen Förderanlagen übersät. Das Trinkwasser, die Böden und große Mangrovenwälder sind dort extrem verschmutzt.

In dem Bericht wird auch der niederländisch-britische Ölriese Shell kritisiert. „Kontrolle und Unterhalt der Ölfeld-Infrastruktur in Ogoniland waren und bleiben mangelhaft“, heißt es. Die konzerneigenen Vorgaben seien nicht angewandt worden, was Folgen für die Gesundheit der Menschen und die Sicherheit habe. Der Bericht macht auf die Möglichkeit aufmerksam, aufgrund der vorgestellten Daten rechtlich gegen Shell oder andere Unternehmen vorzugehen.

Shell ist traditionell einer der größten Ölförderer in Nigeria. Aus Ogoniland musste sich der Konzern 1993 angesichts von Unruhen zurückziehen. Durch die Region verläuft aber unter anderem eine von einem Joint Venture mit Shell-Beteiligung betriebene Pipeline, zudem stehen dort noch von Shell stillgelegte Fördereinrichtungen.

Shell erklärte, ungeachtet des Förderstopps 1993 alle neu auftretenden Ölverseuchungen zu säubern. Diese seien in der Mehrzahl der Fälle die Folge von „Sabotage, Diebstahl und illegaler Raffinerietätigkeit“. Der Chef des Konzerns in Nigeria, Mutiu Sunmonu, sagte in einem im Internet veröffentlichten Video, solange die illegalen Aktivitäten nicht unter Kontrolle gebracht würden, könne „wenig unternommen werden, um das Problem des auslaufenden Öls zu lösen“.

Die Bewegung für das Überleben der Ogoni-Bevölkerung begrüßte den UNEP-Bericht, nannte ihn aber nicht ausreichend. Nötig sei eine „Säuberung unserer zerstörten Umwelt und nicht bloß eine Studie die uns sagt, was wir bereits wissen“. Die Gruppe rief auch dazu auf, Shell die Förderlizenzen in dem Land zu entziehen.

Ogoniland ist die Heimat des Schriftstellers Ken Saro-Wiwa, der sich gegen die Ölindustrie im Nigerdelta einsetzte. Er wurde von der damaligen Militärregierung in einem weltweit als Schauprozess kritisierten Verfahren zum Tode verurteilt und 1995 öffentlich gehängt. Sein Sohn sagte nun der Nachrichtenagentur AFP, der UNEP-Bericht sei eine „Rehabilitierung“ seines Vaters. „Ich glaube, er betrachtet die ganze Sache von oben mit einem breiten Lächeln.“